Rückwirkende Schließung
Immobilienfonds bringen Anleger gegen sich auf

Anleger in offenen Immobilienfonds erleben eine böse Überraschung nach der anderen. Nicht genug, dass in der vergangen Woche wieder zwei Fonds den Tausch von Anteilen gegen Geld aussetzten - sie taten dies auch noch rückwirkend. Für Verbraucherschützer ein unmögliches Vorgehen.
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DÜSSELDORF. Anleger zweier offenener Immobilienfonds staunten nicht schlecht: Rückwirkend wurde der Tausch von Anteilen gegen Geld ausgesetzt; am Vortag in Auftrag gegebene Anteilsrückgaben wurden nicht mehr ausgeführt. Wer über die Börse in Hamburg gehandelt hatte, stand auch nicht besser da: Verkaufsaufträge, die in der Zeitspanne zwischen der letzten von der Fondsgesellschaft akzeptierten Rückgabeorder und der Verkündung der Aussetzung der Anteilsrücknahme bereits abgewickelt waren, wurden nachträglich storniert.

Beides ist für Verbraucherschützer unhaltbar. "Aufträge zur Anteilsrücknahme sollten exakt bis zum Zeitpunkt der Verkündung der Aussetzung der Anteilsrücknahme möglich sein", sagt Dorothea Mohn, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Marco Cabras, Sprecher der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) pflichtet ihr bei: "Ich würde von einer vernünftig gemanagten Fonds erwarten, dass er so rechtzeitig die Bremse zieht, dass es nicht notwendig wird, Anlegern rückwirkend die Rückgabe von Anteilen zu verwehren."

Am Nachmittag des 17. November (Dienstag) hatte Aberdeen Immobilien mitgeteilt, dass die Anteilsrücknahme für den Fonds Degi International wieder ausgesetzt werde. Dies betreffe alle Rückgabeaufträge bzw. Verkaufsaufträge, die ab Montag dem 16. November nach Orderannahmeschluss um 7:00 Uhr eingegangen seien. Das bedeutet in der Praxis: Der letzte Rückgabetermin war Freitag der 13. November.

Zwei Tage später wiederholte sich das Prozedere - am Donnerstagmittag teilte AXA Investment Managers mit, dass der Fonds Axa immoselect eingefroren werde. Für Rückgaben galt in diesem Fall der Annahmeschluss 17. November, 11:30 Uhr.

Liquiditätsnot zwingt zum Einfrieren

Grund für die Aussetzung der Anteilsrücknahme ist in beiden Fällen eine Liquiditätsnot der Fonds. Das Investmentgesetz schreibt vor, dass ein offener Immobilienfonds mindestens fünf Prozent seines Volumens in der Kasse halten muss. Der Fondsbranchenverband BVI empfiehlt seinen Mitgliedern, mindestens zehn Prozent flüssige Mittel.

Nachdem die beiden Fonds erneut dicht machten, sind rund 9,5 Mrd. Euro Anlegergelder in offen Immobilienfonds blockiert. Vier von zwölf Fonds, die Ende Oktober 2008 den Tausch Anteile gegen Geld einstellten, wurden bis heute nicht wieder geöffnet. Zeitweise steckten 40 Prozent der rund 80 Mrd. Euro Anlegergelder in offenen Immobilienfonds fest.

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