Run auf sichere Produkte
Rekord für Geldmarktfonds

Geldmarktfonds galten bisher als Hort der Sicherheit. Doch jetzt fragen sich Beobachter, ob in der marktpsychologisch labilen Lage sogar diese Fonds von den Problemen und von Panikreaktionen der Investoren "angesteckt" werden könnten. Die Branche jedoch gibt sich angesichts hoher Zuflüsse optimistisch - und rechnet nicht mit Liquiditätsproblemen.

FRANKFURT. In Europa haben die Investmentgesellschaften im ersten Halbjahr Geldmarktfonds für netto 139,6 Mrd. Euro abgesetzt - ein Rekordwert. Das zeigen jetzt veröffentlichte Statistiken des Londoner Datenanbieters Lipper Feri. "Für das Gesamtjahr erwarten wir sogar mehr als 200 Milliarden Euro", sagt Lipper-Feri-Chefin Diana Mackay. Zu den wichtigsten Absatzmärkten zählen Deutschland und Frankreich.

Die Daten beziehen nicht die unruhige Periode ab Mitte Juli ein, die von wachsenden Problemen mit US-Hypothekendarlehen schlechter Bonität (Subprime) geprägt ist und zunehmend den gesamten Markt für forderungsbesicherte Anleihen (ABS) und auch andere Anlageklassen belastet. Fondsanbieter wie Axa, BNP Paribas, HSBC, WestLB-Mellon, Sal. Oppenheim oder Frankfurt-Trust hatten ihre spezialisierten ABS-Fonds wegen illiquider Basismärkte geschlossen - nach Mittelabzügen von Großinvestoren waren plötzlich auch die Fonds nicht mehr liquide.

Jetzt fragen sich Beobachter, ob in der marktpsychologisch labilen Lage sogar die bisher als Hort der Sicherheit geltenden Geldmarktfonds von den Problemen und von Panikreaktionen der Investoren "angesteckt" werden könnten - auch wenn Zentralbanken den Geldmärkten in den vergangenen Tagen mit Liquiditätsspritzen unter die Arme griffen. DWS-Chef Klaus Kaldemorgen sagt dazu: "In der Wahrnehmung der Marktteilnehmer ist vieles außer Kontrolle geraten, ich kann das aber nachvollziehen, weil man es häufig mit für Privatanleger intransparenten Basisobjekten zu tun hat".

Als Leiter des größten deutschen Fondshauses kommentiert Kaldemorgen: "Die Liquidität der Geldmarktfonds ist hoch, für unsere eigenen Produkte steht sie völlig außer Frage." Europaweit ist die DWS laut Lipper Feri mit rund 46 Mrd. Euro Volumen fünftgrößter Geldmarktfondsanbieter hinter der französischen Natixis sowie den Anlagesparten von JP Morgan, Credit Agricole und Société Générale. "Wir sehen seit Anfang August anhaltende Zuflüsse in unseren Geldmarktfonds", sagt Marie Allier, -Anne Co-Leiterin des Anleihebereichs bei der Société Générale Asset Management in Paris.

Unabhängige Experten wie Consultants, die auf die Beratung institutioneller Anleger ausgerichtet sind, teilen die Gesamteinschätzung Kaldemorgens. "Bei klassischen Geldmarktfonds sehe ich kein großes Risiko", sagt Bernd Rose, Geschäftsführer von RMC Risk-Management-Consulting. Im Einzelfall müsse der Anleger die Portfoliozusammensetzung prüfen.

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