Sammelklage mit über 140 Klägern
Eisschränke für Eskimos

Hat Mario Ohoven überzogen? Gegen den ehemaligen Fondsanbieter, der von Anlegern einst Milliarden einsammelte, läuft eine Klagewelle.

DÜSSELDORF. Alles ist vom Feinsten. Die Gäste werden extra von Düsseldorf nach Dublin eingeflogen. Sie logieren im edlen Four Seasons Hotel, wo Kronleuchter und Tischlampen mit Messingfuß gediegenes Ambiente schaffen. Und abends zum Galadinner wird ihnen, wie die Einladung verspricht, einer „der größten Schauspieler der Gegenwart in einem unvergleichlichen Rahmen“ präsentiert: Pierce Brosnan alias Geheimagent „007“.

Peter und Claudia Keller (Namen von der Redaktion geändert) sind beeindruckt. „Es war toll, Brosnan zu treffen und vorher bei den Dreharbeiten zu seinem Film ,Evelyn’ zuzusehen“, erinnert sich das Unternehmerehepaar aus Nordrhein-Westfalen.

Dort, in den Ardmore Studios, hat sich am Nachmittag Michael Ohoven als junger, tatendurstiger Filmproduzent inszeniert und über den verheißungsvollen Streifen doziert. Seine Mutter, Unesco-Botschafterin Ute Ohoven, lauscht ergriffen; sein Vater Mario Ohoven führt Regie: „Pssst, mein Sohn spricht!“

Das Dublin-Erlebnis im Dezember 2001 zeigt die erwünschte Wirkung: Frau Keller ist endgültig bereit, 50 000 Mark in den Fonds namens Cinerenta zu investieren, der den Film „Evelyn“ mitfinanziert. Verkäufer des Fonds ist ein Vertreter der Investor- und Treuhand-Beratungsgesellschaft (IT) des Düsseldorfer Finanzinvestors Mario Ohoven. Für die Kellers entpuppt sich das Investment als ein folgenschwerer Fehler.

Es fällt dem Ehepaar heute noch schwer, sich zu beherrschen. „Wir warten noch immer auf einen Großteil der uns versprochenen Ausschüttung“, sagt Peter Keller. Insgesamt investierten er und seine Frau rund 1,2 Millionen Euro in die Cinerenta-Fonds. Bis heute sind nach ihren Angaben jedoch erst rund 322 000 Euro an sie ausgeschüttet worden.

Ohoven kontert, die Filme seien „noch einige Jahre in der Auswertung“. Ob da aber im schnelllebigen Filmgeschäft noch viele Erträge zu erwarten ist?

Die Kellers glauben das nicht. Claudia Keller klagt nun vor Gericht gegen Mario Ohoven persönlich, dem 60 Prozent an Cinerenta gehören, und gegen die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Contor, die als Treuhänderin des Fonds fungiert. Der Vorwurf gegen Ohoven: Kapitalanlagebetrug.

Mario Ohoven weist das von sich. Er sei davon überzeugt, dass auch diese Schadensersatzklage „ebenso wie in vergleichbaren anderen Fällen abgewiesen“ werde.

Lange Jahre eilte der schillernde Finanzvermittler aus Düsseldorf von Erfolg zu Erfolg. Der 61-jährige Ohoven, der in Sekunden vom Choleriker zum Charmeur changieren kann, hatte ein nahezu perfektes System geschaffen. Sein Rezept: Glamour, Prominente, Charity, Familienbande sowie seine zahlreichen eigenen Rollen als Mittelstandspräsident, Autor und eben Fondsanbieter verknüpfte Ohoven – und das so clever, dass trotz oft magerer Ergebnisse seiner Investmentprodukte und diverser Gerichtsprozesse gegen ihn persönlich lange nicht geklagt wurde.

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