Schiffsfonds-Experte Dobert
„Anleger müssen nachschießen“

Seit 40 Jahren analysiert Jürgen Dobert den Schiffsmarkt und Schiffsbeteiligungen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über das Verhalten großer Reedereien und die aktuellen Gefahren für Fondsanleger.
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Handelsblatt: Wie sieht es auf dem Markt für Schiffsbeteiligungen aus?

Jürgen Dobert: Das Neuemissionsgeschäft ist praktisch tot. Die deutschen Emissionshäuser müssten allein für nicht platzierte Schiffsbeteiligungen aus dem vergangenen Jahr eine Mrd. bis 1,5 Mrd. Euro bei Anlegern einsammeln. Banken schätzen, dass mindestens weitere vier Mrd. Euro Anlegergelder gebraucht werden, um die von Fondshäusern seit langem bei den Werften bestellten Schiffe zu finanzieren. 2009 aber werden nicht einmal 500 Mio. Euro zusammenkommen.

Wie verhalten sich die großen Reedereien, die die Fondsschiffe gechartert haben?

Die großen Linienreedereien kämpfen selbst ums Überleben. Es hat nicht einmal ein Jahr gedauert, bis fast alle ihre Charterverträge nachverhandelt haben. Dabei geht es nicht um Peanuts, sondern um Einnahmereduzierungen bis zu 36 Prozent. Dieser Tage ist der Chef des französischen Riesen CMA CGM in Hamburg, dem Vernehmen nach ebenfalls wegen Ratenreduzierungen in großem Stil.

Welche Konsequenzen haben geringere Mieteinnahmen für Anleger?

Fehlende Aufträge und rückläufige Raten treiben Schiffsfonds immer häufiger in Schieflage. Auf die Anleger rollt eine große Welle von Nachschüssen und Rückzahlungen erhaltener Ausschüttungen zu, um die Insolvenz ihrer Fonds abzuwehren oder Notverkäufe zu extrem niedrigen Preisen zu verhindern. Es steht zu befürchten, dass viele Anleger gar nicht zu Nachzahlungen in der Lage sein werden.

Aber welchen Sanierungsbeitrag leisten die Banken?

Die HSH Nordbank, der Welt größter Schiffsfinanzierer, ist selbst ein Sanierungsfall, und ihren Wettbewerbern geht es zurzeit ebenfalls schlecht. Die Zahl der Insolvenzen von Ein-Schiffgesellschaften wie den Fonds wäre noch viel höher, wenn die Banken nicht vielfach auf die letzte Konsequenz, die Zwangsversteigerung von Schiffen, verzichten würden. Offensichtlich haben sie aus den 80er-Jahren gelernt, als sie mit Versteigerungen die Schiffspreise tief in den Keller trieben und selbst viel Geld verloren.

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