Schiffsfonds
Kurs auf Rendite

An Verlusten ist heute kein Investor mehr interessiert, der sich an einem Schiff beteiligt und in einen geschlossenen Fonds einsteigt. Der steuerlich rentablen, aber ökonomisch absurden Zielsetzung der Verlustzuweisung hat der Gesetzgeber im Dezember 2005 enge Grenzen gesetzt. Jetzt geht es den Investoren um Rendite. Und da können sich Schiffsfonds mittlerweile sehen lassen.

HB JESTEBURG. Eine durchschnittliche Performance von jährlich 9,4 Prozent hat das Analyseinstitut FondsMedia für Schiffsbeteiligungen errechnet, die nach 1996 emittiert und bis 2005 abgewickelt wurden. Die erfolgreichsten Fonds - das obere Viertel - haben in dieser Laufzeit sogar ein jährliches Plus von durchschnittlich 18,4 Prozent eingefahren. Und das bei einem vergleichsweise geringen Risiko. "Während wir bei den Schiffsfonds eine relative Standardabweichung der Durchschnittsrendite von 88 Prozent festgestellt haben, weisen Dax, der MSCI Word Index und der Nasdaq-Composite Werte zwischen 220 und 282 Prozent auf, sagt Peter Kastell, Geschäftsführer von FondsMedia in Hamburg.

Je höher die relative Standardabweichung ausfällt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Durchschnittswert auch eintritt. Und noch etwas macht das Ergebnis attraktiv: Die Rendite unterliegt in der Regel der Tonnagesteuer, das macht sie für den Anleger so gut wie steuerfrei. Das positive Abschneiden geschlossener Schiffsfonds und die Tatsache, dass sich ihre Rendite unabhängig von anderen Wertpapieren entwickelt, ist für Kastell Grund genug, diese Assetklasse als alternatives Investment zu Aktien oder Renten zu sehen. "Ich glaube sogar, dass Beteiligungen an Schiffen eine bessere Investition in Sachwerte sind als Immobilien", sagt Kastell.

Seine Argumente: Die Performanceaussichten seien höher, Schiffe seien aufgrund ihrer begrenzten Lebensdauer und der guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schneller entschuldet, und selbst als Verschrottungsobjekt brächten sie am Ende noch Geld ein. Das Risiko eines Totalverlustes des Anlegergeldes wertet Kastell als nicht gegeben. "Ohne kriminellen Hintergrund ist der totale Kapitalverlust heute unmöglich", ist Kastell überzeugt.

Früher - in den 1990er-Jahren - als Schiffsbeteiligungen ausschließlich als Steuersparmodell betrachtet wurden und die Objekte nur gebaut worden seien, um sie in einem Hafen zu parken und abzuschreiben, sei das Risiko noch ein anderes gewesen. Dennoch sind sich die Experten einig, dass Anleger geschlossene Schiffsfonds nur als Beimischung zum Depot in einer Größenordnung von 10 bis 15 Prozent des Gesamtvolumens zeichnen sollten.

Investor-Newsletter: Lassen Sie sich die wichtigsten Anleger-Themen der Woche per Mail zuschicken!

"Wer mit 20 000 Euro in so eine Anlage einsteigen will, sollte das nicht mit den ersten sondern eher mit den fünften oder sechsten 20 000 Euro seines Vermögens tun", sagt Jörg Röckinghausen, Leiter Produktmanagement Geldanlage bei MLP in Wiesloch. Der Grund: Die Fonds sind auf eine Laufzeit von 10 bis 20 Jahren ausgerichtet. "Auch wenn ein Anleger seine Beteiligungen jetzt auf mehreren Zweitmarktplattformen anbieten kann, sollte er nicht darauf angewiesen sein, sie schnell veräußern zu müssen, sondern er sollte seinen Kapitaleinsatz langfristig übrig haben", sagt Röckinghausen.

Außerdem rät der Experte dazu, bei der Auswahl eines geeigneten Investments sehr genau den Verkaufsprospekt zu prüfen. Zwei Kriterien, auf die der Anleger achten sollte: Ein erfahrenes Emissionshaus sowie eine Chartergesellschaft mit gutem wirtschaftlichem Rückhalt. "Außerdem sollte der sicherheitsbewusste Investor Wert darauf legen, dass es langfristige Charterverträge über fünf bis zehn Jahre gibt", sagt Röckinghausen. So eine Fondskonstruktion ebenso wie das dahinter stehende Handelsgeschäft berge ohnehin viele Unsicherheiten - beispielsweise den Wechselkurs zum US-Dollar, der Leitwährung der Seeschifffahrt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%