Schiffsfonds: Wie Anleger noch von Bord springen können

Schiffsfonds
Wie Anleger noch von Bord springen können

Schiffsfonds werden zum Auslaufmodell. Seit fünf Jahren stecken die Finanzierer von Frachtschiffen in der Krise. Nun droht dem beliebten Steuersparmodell der Kollaps. Was Investoren noch tun können, um Geld zu retten.
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Düsseldorf / Hamburg„Hier trifft sich die Welt.“ So wirbt das Hamburger Grand Elysée-Hotel für seine Tagungen. Was in der schönen Welt der Werbestrategen nach Horizonterweiterung klingt, geht in der Praxis nicht immer auf. Das heutige Treffen der Reeder zum Hansa-Forum ist so ein Beispiel: Während Anleger seit Jahren Geld damit verlieren, dass sie den Reedern neue Schiffe bezahlten, wird hier hinter der hell verklinkerten Fassade des Luxushotels vor allem darüber gesprochen, wie sich die Branche selbst weiter über Wasser hält.

Dass Konten der umschwärmten privaten Geldgeber von einst längst unter Wasser sind, ist hier bei Häppchen und O-Saft nur ein Randthema.

Dabei droht den Initiatoren nun von ihren Anlegern neuer Ärger. Viele überlegen, wie sie aussteigen können. Rechtsanwälte bieten bereits ihre Hilfe an und prüfen Fluchtwege. 

 

Bereits zum 16. Mal versammelt sich die Elite aus Schifffahrt und Finanzierung 
im Grand Elysée. „Jahr fünf der Krise“, heißt das große Thema. „Wie viel Spielraum haben Anleger und Reeder noch? Welche Schiffe können sich morgen noch am Markt behaupten?“. 2012 sei eines der härtesten Jahre für die Schifffahrt überhaupt, heißt es daher in der Ankündigung für die gut besuchte Branchenveranstaltung Hansa-Forum. Und viele Profis bestätigen den Befund. Unauskömmliche Fracht- und Charterraten in vielen Segmenten hätten die Liquiditätslöcher bei etlichen Schiffsgesellschaften wieder weit aufklaffen lassen. Die Zahl der Schiffs-Insolvenzen sei auf weit über 100 hochgeschossen. 

Selbst Schiffsgesellschaften, die weitgehend entschuldet sind, steckten häufig in der Bredouille. Reeder und Kommanditisten müssten entscheiden, ob sie noch einmal Liquidität in die Schiffe pumpen oder verkaufen, um drohende Verluste abzuwenden.

Viele Experten sehen die Lage noch weitaus düsterer. "Der Schiffsfonds-Markt steht vor dem Kollaps", sagt Jürgen Dobert, der seit mehr als 40 Jahren die Branche analysiert. Schon mehr als 130 Anlegerschiffe seien in die Insolvenz gefahren. Rund 800 Millionen Euro hatten Anleger in die Schiffe gesteckt.

Allein in dieser Woche kamen vier Containerschiffe des Reeders Bertram Rickmers hinzu. "Diese und andere Fälle zeigen, dass auch renommierte Reedereien wie Bertram Rickmers die Stützung ihrer Schiffsfonds eingestellt haben", sagt Schifffahrtsanalyst Jürgen Dobert.

Viele Experten fürchten daher weitere Insolvenzen, etwa Ralf Friedrichs, Chef von HCI, einer der größten Schiffsfinanzierer. Er muss selbst 28 Pleitefälle bei Frachtern verkraften. Oder auch Torben Kölln, Geschäftsführer von Buss Shipping: Letztlich sei Reedern und Emissionshäusern bewusst, dass sie in der Boomphase zu viele Schiffe gekauft haben und die zu teuer bezahlt habe.

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  • Ein wirklicher gelungener Beitrag. Endlich wird einmal in einfacher Sprache ein komplexes Thema auf den Punkt gebracht. Und wo kommen wir denn hin, wenn hier in einigen Kommentaren die Rechtsanwälte als Täter hingestellt werden. Wer hat denn optimistische Prognosen für die Schifffahrtsbranche abgegeben? Wer hat denn die Milliarden versenkt? Das waren die Fonds-Emittenten, Banken und Reeder. Dass jetzt Anwälte die Rechte der geschädigten Anleger - das sind schließlich die Opfer - vertreten, ist gut so. Denn nur dann kommen sie zu ihrem Recht.

  • Warum so polemisch? Etliche Artikel - nicht nur im HB - haben gezeigt, dass Schiffsfonds eine Geldmaschine waren - nur nicht für die Anleger! Deshalb sind Beiträge, die den Anlegern andere Möglichkeiten aufzeigen, als gutes Geld dem schlechten hinterher zu schmeissen, nur zu begrüßen.

  • Ich bin ja nun wirklich kein Bankenfreund, aber: Der Artikel glänzt mit kompletter Unkenntnis der Schiffsmärkte und ist an Schlichtheit nicht mehr zu überbieten. SCHandelsblatt

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