Schließungen erwartet: Kehraus in der Fondsbranche

Schließungen erwartet
Kehraus in der Fondsbranche

Die Krise setzt die Fondsanbieter unter Zugzwang. Da die Vermögen durch den Kursverfall an den Märkten abschmelzen und Anleger ihr Geld abziehen, nimmt die Zahl kleiner Fonds deutlich zu.

FRANKFURT. Vom Handelsblatt befragte Experten erwarten daher, dass in diesem Jahr vor allem bei den für Privatanleger aufgelegten Publikumsfonds rund fünf Prozent geschlossen werden – Tendenz steigend, je nach Verlauf der Krise. 2009 verschwänden damit immerhin gut 300 Fonds, gemessen an den knapp 6 200 Publikumsfonds im Land.

„Kostendruck lastet auf der Fondsbranche“, begründet Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer des Fonds-Beratungshauses Fonds Consult die Erwartung. Der erhebliche Teil fixer Kosten für Personal und für die Fondsverwaltung erhöht den Druck, wenig rentable Fonds zu schließen oder mit anderen zu verschmelzen. Die Profitabilität in der Fondsbranche sei wegen der schrumpfenden Vermögen deutlich gesunken, sagt Stefan Jaecklin, Partner bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Er rechnet mit Kostensenkungen von bis zu 30 Prozent und mit einer deutlich sinkenden Fondszahl.

Der Datenanbieter Lipper FMI hat errechnet, dass bereits knapp die Hälfte der Publikumsfonds am deutschen Markt über ein Vermögen von weniger als 20 Mio. Euro verfügt. Zählt man die Garantiefonds mit meist begrenzter Laufzeit hinzu und deutsche Fonds, die vor allem im Ausland verkauft werden, betrifft dies gut ein Viertel der existierenden 6 200 Publikumsfonds am Markt. „Es sind mit Blick auf die hohen Absatzerwartungen vor dem Start der Abgeltungsteuer viele neue Fonds aufgelegt worden, die in der Finanzkrise keine Chance hatten, Volumen zu bekommen“, sagt Lipper-FMI-Chefin Diana Mackay. Nach ihrer Erfahrung sammeln Fonds im ersten Jahr das meiste Geld ein, da neue Produkte dann am stärksten beworben werden. Je nach Anbieter gelten zehn bis 30 Mio. Euro als Mindestvolumen für einen Fonds, um rentabel zu sein.

Vor allem zuletzt zahlreich aufgelegte Aktienfonds, die auf Trends, Branchen oder spezielle Strategien setzen, sowie Dach-Hedge-Fonds droht das Aus. „Bei Aktienfonds wurden viele Spezialitäten angeboten, die nicht immer Sinn machen“, sagt Matthias Koss, Chef der Beratungsfirma Fonds Advice. Bei Dach-Hedge-Fonds verschwindet derzeit nahezu ein ganzes Segment. Zuletzt haben große Häuser wie die DWS und Union Investment angekündigt, dass sie ihre Dach-Hedge-Fonds nach starkem Kapitalabzug liquidieren. Allein die Deka bleibt unter den führenden Fondshäusern der Sparte treu. Im Spätherbst gab es gerade noch 15 Dach-Hedge-Fonds, die insgesamt 476 Mio. Euro managen.

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