Schroders, Mellon und Credit Suisse schauen sich in Europa um
Fondsbranche steht vor einer Übernahmewelle

Die Asset-Management- Branche in Europa steht vor einer Konsolidierung. Davon sind viele Experten überzeugt. Dutzende Adressen werden als Käufer oder Kaufkandidaten gehandelt. Ben Phillips, Analysechef beim Beratungsunternehmen Cerulli Associates in Boston, sagt: "Einige Ausländer wollen ihr Europa-Standbein stärken - und da sind Deutschland und Frankreich erste Wahl." Seiner Meinung nach ist "der Zugriff auf Vertriebskraft die entscheidende Attraktion bei derartigen Aufkäufen".

FRANKFURT/M. Genau da könnte auch der Knackpunkt liegen, der bisher den Start einer Übernahmewelle hemmt - neben hohen Preisen. Barclays gab zwar erst an diesem Montag den Erwerb der Vermögensverwaltung Gerrard Management Services für 210 Mill. Pfund bekannt. Aber das ist ein britisches und kein kontinentaleuropäisches Ereignis.

Potenzielle Käufer stützen die These vom schwierigen Vertriebszugriff, etwa Schroders Investment Management. Bei der großen britischen Adresse mit weltweit 131 Mrd. Euro an betreutem Vermögen "stehen der Kauf eines Hedge- Funds- Managers und eine Akquisition in Deutschland ganz oben auf der Wunschliste". Das sagt Martin Theisinger, Sprecher der Geschäftsführung. Doch er findet "momentan keine zündende Umsetzungsmöglichkeit, denn von den klassischen Banken kann man keinen Vertrieb nur der eigenen Produkte fordern, wenn man selbst den Gedanken des Fremdfondsverkaufs propagiert". Jetzt lote man alternative Wege aus. Theisinger nennt als Beispiele Quelle und die BMW Bank.

Phillips von Cerulli sieht insbesondere "US-Gesellschaften in den Startlöchern". In Frage kämen Häuser wie Amvescap, Janus oder Prumerica. Die zur Amvescap gehörende Invesco verfüge zwar schon über eine deutsche Kapitalanlagegesellschaft (KAG), aber die könne man mit einer weiteren gekauften zusammenlegen. Prumerica sei bisher nur mit der Privatbank Oppenheim liiert. Nach Ansicht des Cerulli- Manns könne auch die Affiliated Managers Group auf Grund ihrer Struktur leichter Firmen aufkaufen. Affiliated bündelt einzelne Asset- Manager in einer Holding.

Affiliated ist ähnlich organisiert wie Mellon Financial, mit 625 Mrd. Dollar an verwaltetem Vermögen elftgrößter Asset-Manager der Welt. Jon Little, Chef von Mellon Global Investments und damit verantwortlich für die 70 Mrd. Dollar schweren Aktivitäten außerhalb der USA, sagt dem Handelsblatt: "Wir werden weitere Asset- Management- Firmen in Europa kaufen." Little erwartet, "dass eine Konsolidierung gute Kaufgelegenheiten bringt - momentan sind die Preise noch zu hoch." Der Mellon-Mann würde gerne seine europäische Aktien- und Anleihesparte sowie die Asien-Expertise stärken. In Deutschland und Frankreich liegt ihm allerdings eher eine Verstärkung der Vertriebskooperationen am Herzen: "Wir suchen Partner unter den Privatbanken und Versicherungen."

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