Schroders wird in Luxemburg aktiv - Deutsche Gesellschaften fühlen sich nicht betroffen
Fonds-Trader erhalten die rote Karte

Am europäischen Fondsmarkt wehren sich große Investmentgesellschaften gegen den kurzfristigen Handel mit Investmentfondsanteilen („Market Timing“) auf Kosten der Langfristanleger. Die britische Schroder Investment Management hat jetzt in Luxemburg die Initiative ergriffen. Deutsche Gesellschaften fühlen sich nicht betroffen, wie sie auf Anfrage mitteilten.

FRANKFURT/M. Beim Market Timing nutzen die Akteure die Tatsache aus, dass ein Fondspreis nur einmal am Tag festgestellt wird, Börsenhandel jedoch in unterschiedlichen Zeitzonen rund um die Uhr stattfindet. Trader können auf Grund marktrelevanter Ereignisse versuchen, den „nächsten“ errechneten Fondspreis abzuschätzen und daraus Vorteile zu ziehen. Gerade Aktienfonds ohne Ausgabeaufschlag sind in Zeiten hoher Kursschwankungen attraktiv für Trader. Langfristanleger werden dadurch geschädigt, dass der Fondsmanager ungeplante Eingriffe ins Portfolio vornehmen und damit von der beabsichtigten Anlagepolitik abweichen muss. Zudem sind diese Eingriffe mit zusätzlichen Transaktionskosten verbunden.

Am wichtigen Standort Luxemburg, der insbesondere vielen angelsächsischen Gesellschaften als Drehscheibe für den europäischen Vertrieb dient, erhielt Schroders Investment Management als erste Gesellschaft „grünes Licht“ von der Luxemburger Finanzaufsicht CSSF für ein spezielles Verfahren zur Fondspreisanpassung, das die Trading-Probleme reduziert.

Quellen aus dem Markt zufolge sollen zumindest auch die großen US-Firmen JP Morgan Fleming Asset Management und T. Rowe Price Global Investment Services analog zu Schroders bei der Luxemburger Aufsicht eine Umstellung ihrer Fondspreisermittlung anstreben oder dies zumindest erwägen. Von beiden Häusern war auf Anfrage keine Antwort zu erhalten.

„Market Timing ist nicht verboten, aber es schadet den Langfristanlegern“, sagt Robert Priester, Rechtsberater beim europäischen Verband der nationalen Fondsverbände Fefsi, Brüssel. Die Fefsi sammelt derzeit Informationen von den nationalen Aufsichtsbehörden und Fondsverbänden zum Timing-Problem. Die Ergebnisse werden voraussichtlich am Dienstag präsentiert. Ersten Antworten zufolge „haben sehr wenige Länder eine ausdrückliche Regulierung“, wie Bishop sagt. Meist sei das Verhalten der Fonds beim Umgang mit Tradern im Fondsprospekt fixiert, der wiederum von der Aufsicht genehmigt werde.

Laut Frédérick Hizette, beim Luxemburger Ableger von Schroders zuständig für Recht und Compliance, gibt es grundsätzlich mehrere Möglichkeiten zur Senkung des Trader-Risikos. Dazu zählt er die Einführung von Rücknahmegebühren, einer Mindesthaltedauer von beispielsweise einer Woche oder „das von uns jetzt genutzte Verfahren des so genannten Fair Value Pricing“. In den Jahren 2000 bis 2002 konzentrierte sich Schroders laut Hizette auf eine ganz andere Methode, die die Gesellschaft bis heute anwendet: „Wenn wir Trader als solche identifizieren, verweigern wir den Deal.“

Schroders ließ sich die neue Bewertungsmethode für seinen 10 Mrd. Euro Umbrella-Fonds Schroder International Selection Fund genehmigen. Unter einem derartigen rechtlichen „Schirm“ können Gesellschaften Einzelfonds auflegen, zwischen denen die Anleger ohne Bezahlung des üblichen Ausgabeaufschlages wechseln können. Erhält Schroders eine Order etwa für einen US-Aktienfonds dieses Umbrellas am Vormittag (vor der Fondspreiserrechnung), wird der Fondspreis bei starken vorherigen Marktbewegungen auf Basis des aktuellen Standes eines dauernd gehandelten Futures-Kontraktes für den US-Markt abgeschätzt. Zu diesem Preis wird die Order ausgeführt.

Schroders hat europaweit eine ganze Reihe von Tradern erkannt und das Geschäft mit ihnen verweigert. Hizette zählt auf: „ Eine Bank in Italien und eine Luxemburg, beide Teile einer französischen Bankengruppe; ein portugiesischer Vermittler. Außerdem beobachten wir zwei Banken in Spanien und Portugal sehr genau.“ Auch einer deutschen Bank habe Schroders schon die rote Karte gezeigt. Hier sieht Hizette einen wesentlichen Unterschied gegenüber der Situation in USA: „Dort bereiten auf diesem Gebiet eher die Hedge-Funds Probleme.“

Die größten deutschen Fondsgesellschaften haben nach eigenen Angaben keine Probleme mit Timern. Das sagten auf Anfrage Sprecher von DWS und Deka Investments. Union Investment will lediglich vor einem Jahr mit einem Einzelfall konfrontiert gewesen sein. Bei DIT heißt es: „Es ist nichts passiert oder in einem Umfang, der unkritisch war.“

Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sieht sich nicht alarmiert. „Vor ein bis zwei Jahren gab es solche Vorfälle. Aber die Gesellschaften haben das in den Griff bekommen. Und momentan haben wir keine neuen Erkenntnisse“, sagt Volckmar Bartels, Leiter der BaFin-Abteilung Asset Management.

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