Schweizer Holocaust-Fonds findet Anspruchsberechtigte nicht
Zu viel des Guten

Der Schweizer Holocaust-Fonds hat Schwierigkeiten, das Geld zu verteilen: Zehn Jahre nachdem Schweizer Großbanken für den Fonds rund 1,25 Milliarden Dollar bereitstellten, wurden bisher erst etwa 428 Millionen Dollar an frühere Kontoinhaber ausgezahlt.

ZÜRICH. Wiedergutmachung ist eine Sisyphus-Arbeit. Zehn Jahre nachdem Schweizer Großbanken in einem historischen Vergleich 1,25 Mrd. Dollar für einen Holocaust-Fonds bereitstellten, ist das Geld immer noch nicht verteilt. Von dem Ziel, rund zwei Drittel der Summe an Geschädigte mit Schweizer Bankkonten auszubezahlen, ist das zuständige Schiedsgericht in New York (Claims Resolution Tribunal, CRT) noch meilenweit entfernt.

Statt 800 Mill. Dollar waren bis Ende Juni erst rund 428 Mill. Dollar an frühere Konteninhaber ausgeschüttet. Die Suche nach den Anspruchsberechtigten gestaltet sich so schwierig, dass inzwischen mehr Gelder an andere Opfer des NS-Regimes verteilt wurden als an die geschädigten Kunden der Schweizer Banken. Unterm Strich sind so gut eine Mrd. Dollar abgeflossen.

"Die Entscheidung über die weitere Vergabe der Gelder liegt allein bei Richter Edward R. Korman", sagt Jean-Marie Meltraux vom CRT in Zürich. Korman war es, der als Bezirksrichter für den Eastern District von New York Ende der 90er-Jahre eine Reihe von Sammelklagen gegen Schweizer Finanzinstitute zusammenfasste und über den anschließenden Vergleich präsidierte. Die Einigung diente später als Vorlage für den Zwangsarbeiter-Fonds der deutschen Wirtschaft, der im Jahr 2000 ausgehandelt wurde. Während die deutsche Regierung jedoch mit damals fünf Mrd. D-Mark die Hälfte zu den Entschädigungen beisteuerte, wurde der Schweizer Fonds ausschließlich von den Banken UBS und Credit Suisse bestückt.

Die Suche nach den namenlosen Inhabern Schweizer Bankkonten aus der NS-Zeit reicht bis in die frühen 60er-Jahre zurück. Damals starteten die beiden Großbanken an der Bahnhofstraße in Zürich den ersten Versuch, die herrenlosen Guthaben den Hinterbliebenen des Holocausts zuzuordnen. "Dabei ist man allerdings sehr schlampig vorgegangen", erinnert sich ein Schweizer Banker. Erst eine Kombination von Boykott-Drohungen und politischem Druck brachte Mitte der 90er-Jahre Bewegung in die Sache. In mehreren Sammelklagen wurde den Schweizer Banken vorgeworfen, mit dem Nazi-Regime kooperiert zu haben. Vermögen von überwiegend jüdischen Kunden seien zurückgehalten, die aus Zwangsenteignungen der Nazis stammenden Gelder seien "gewaschen" worden.

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