Schwellenländer
Bric: Zugmaschinen der Weltwirtschaft

Die sogenannten Bric-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China, galten bisher als die Hoffnungsträger der Weltwirtschaft. Doch genau wie viele andere Länder wurden auch diese von der Finanz- und Wirtschafskrise erfasst. Die Erholung hat hier aber schneller eingesetzt. Wie Anleger davon profitieren können.

DÜSSELDORF. Nur ein Jahr nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und dem anschließenden dramatischen Überspringen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft hat das Gespenst Rezession an Schrecken verloren. Ein Grund ist, dass vor allem die Wirtschaft in asiatischen Schwellenländern als erste wieder auf Wachstumskurs gegangen ist. Aber auch aus Lateinamerika kommen ermutigende konjunkturelle Nachrichten. Für Anleger, die - wie die Rally an den Börsen zeigt - wieder bereit sind, Risiken einzugehen und zu investieren, geraten damit die sogenannten Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) einmal mehr in den Fokus erfolgversprechender Investments.

Da die Erholung in diesen Ländern mit Ausnahme Russlands schneller eingesetzt hat als in den Industrieländern, steigt auch die Bedeutung der großen Schwellenländer für die Weltwirtschaft. Denn ihr Gewicht im weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) nimmt rascher zu als vor der Krise gedacht. Die Analysten von Goldman Sachs (GS), die "Bric" mit einer Studie im November 2001 erstmals als Kürzel prägten, gehen jetzt davon aus, dass das BIP dieser vier Länder zusammen bereits in 20 Jahren höher sein wird als das der G7-Staaten, zu denen neben den USA und Japan, als den derzeit immer noch größten Wirtschaftsnationen der Welt,auch Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada gehören. Jim O'Neill, Chefvolkswirt von GS, hält diesen Überholvorgang jetzt sogar schon im Jahr 2027 für möglich. Vor der Krise war die US-Investmentbank noch davon ausgegangen, dass der Aufholprozess zehn Jahre länger - also bis 2039 - dauern würde. Nach den Wachstumsprognosen von Economist Intelligence Unit (EIU) soll das nominale BIP der vier Bric-Staaten im Jahr 2010 schon 31,7 Prozent des G7-BIP erreichen.

Ob sich China, Indien und Brasilien von der Entwicklung in den Industrieländern aber wirklich schon abgekoppelt haben, ist unter den Ökonomen umstritten. GS-Chefvolkswirt O'Neill ist überzeugt, dass zumindest im Fall Chinas die Abkoppelung bereits "sichtbar" ist. Immerhin habe in Dollar gerechnet der chinesische Konsument seit Beginn der Krise im Jahr 2007 so viel zur Weltwirtschaftsleistung beigetragen, wie auf der amerikanischen Seite an Leistung verloren gegangen sei.

Für die Ökonomen der Deka-Bank gehen die Emerging Markets mit "gestärktem Selbstvertrauen aus der Krise hervor". Und da "die Schuldenbelastung der öffentlichen und privaten Haushalte vergleichsweise gering ist, haben sich auch ihre Wachstumsperspektiven verbessert", sagte Deka-Bank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Was er und seine Kollegen festgestellt haben, ist, dass sich insbesondere China und Indien, aber auch Indonesien bei der Höhe der Wachstumsraten von den Industrieländern bereits abgekoppelt hätten, nicht aber bei den Konjunkturschwankungen. Die Wachstumsraten hätten sich im Vergleich zu den Industrieländern deutlich nach oben entfernt. Nach Ansicht von O'Neill wird dies in den nächsten zehn Jahren so bleiben. Im Durchschnitt sagt er China und Indien ein jährliches Wachstum von rund acht Prozent voraus, Brasilien kann danach auf vier bis fünf Prozent hoffen und das immer noch stark auf den Export von Öl und Gas konzentrierte Russland auf drei bis vier Prozent.

Davide Stroppa von UniCredit mahnt dagegen zur Vorsicht: "Asien ist noch nicht stark genug, um den Rest der Welt als Wachstumslokomotive nach sich zu ziehen." Die derzeitige Erholung der Weltwirtschaft betrachtet er als noch nicht nachhaltig genug, da sie vorrangig auf dem Wiederaufbau der Vorräte und den Konjunkturprogrammen beruhe. Und eine Abkoppelung von der US-Wirtschaft, die fast ein Drittel der Weltwirtschaft ausmacht, ist seines Erachtens vorerst kaum möglich.

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