Schwellenländer
Neue Märkte locken Anleger

Es sind die nackten Zahlen, die beeindrucken: Jahresrenditen zwischen 20 und 40 Prozent - und das für die vergangenen fünf Jahre. So viel Geld verdienten Anleger mit Aktienfonds, die auf Schwellenländer ausgerichtetet sind.

HB FRANKFURT. Regionenprodukte für Lateinamerika und den chinesischen Raum lagen an der Spitze. Dieses enorme Tempo wird kaum durchzuhalten sein. Jetzt streiten Experten darüber, ob die künftigen Anlageerträge lediglich geringer ausfallen werden oder eine vorübergehende und deutliche Umkehr bevorsteht, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise.

In der jüngeren Zeit wird der Aufschwung in den Ökonomien und an den Börsen getragen vom Wirtschaftswachstum wie im Paradefall China sowie vom Boom der Rohstoffmärkte, denn viele Emerging Markets sind reich an Ressourcen und profitieren daher direkt von der Preishausse. Skeptiker stellen daher berechtigterweise die Frage, ob vom globalen Wirtschaftsaufschwung oder von den Rohstoffmärkten Störfeuer kommen könnte.

Viele Fachleute halten eine Abschwächung der US-Konjunktur für eine ausgemachte Sache. Manche sprechen sogar von Rezessionsgefahr. Das müsste auf die entwickelten Länder ausstrahlen. "Wenn diese Ökonomien leiden, bleiben die Emerging Markets nicht unberührt", sagt beispielsweise Saker Nusseibeh, Chef-Aktienstratege von Fortis Investment Management. Er glaubt nicht an die Abkopplungstheorie.

Der globale Konjunkturaufschwung hat die Hausse an den Rohstoffmärkten zusätzlich beschleunigt. Sollte die Finanzkrise den Aufschwung bremsen, würden darunter wohl insbesondere die Industriemetalle leiden, das heißt auch die auf diesem Feld stark vom Export abhängigen Emerging Markets. Besser dürfte es in einem solchen Abschwungszenario für Länder aussehen, die auf Edelmetalle, Energie und Agrargüter konzentriert sind.

Bisher klettern die Kurse an den Schwellenländerbörsen scheinbar unbeeindruckt von den gewachsenen internationalen Konjunkturrisiken. Das Tempo stellt die Anleger jetzt auch vor eine Bewertungsfrage. Die alte Regel, nach der Aktien an den Emerging Markets mit einem Abschlag auf die Titel an den Börsen der Industriestaaten gehandelt werden, gilt nicht mehr. Heute sind Werte aus den Entwicklungsländern schlicht teurer, gemessen an fundamentalen Kennziffern wie Kurs-Gewinn-Verhältnissen. Das stellt die Portfoliomanager vor größere Herausforderungen.

Die Mehrheit der Fachleute zweifelt zwar nicht an der langfristigen Erfolgsstory der Schwellenländerbörsen. Allerdings sind verschiedene Risikoquellen derzeit im Bewusstsein der Anleger in den Hintergrund gerückt. Dazu zählen politische Risiken in manchen Emerging Markets. Rückschläge an diesen Börsen können außerdem schneller eintreten und größere Ausmaße annehmen als erwartet. Das belegen die Krisen der vergangenen Jahrzehnte, wie sie beispielsweise Anfang und Ende der 90er Jahre auftraten.

Nur wenige Experten setzen Fragezeichen hinter die Erfolgsstory. Zu dieser Minderheit gehört Kapitalmarktexperte Avinash Persaud, Professor an der London Business School. Er richtet seinen Blick auf die gestiegenen Bewertungen und sehr langfristige Zyklen an den weltweiten Börsen. Kapitalmärkte durchlaufen Phasen von Unterbewertung, Aufschwung und wachsendem Optimismus, der in Euphorie und einem anschließenden Absturz mündet. Jetzt sagt Persaud: "Ich weiß noch nicht, wo die nächste Blase sein wird, aber die Emerging Markets sind ein Kandidat."

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