Schwellenländerfonds
Die Freiheit bringt ABN Amro den Erfolg

Wenn der Leiter des Schwellenländerrenten-Teams von ABN Amro in einem Markt besondere Chancen erkennt, greift er kompromisslos zu. Seit Monaten favorisiert er im Vergleichsindex (Merrill Lynch Global Emerging Market Index) kaum vertretene Papiere aus Argentinien und Venezuela, ihr Anteil am Portfolio betrug Ende März zusammen mehr als 60 Prozent.

HB HAMBURG. Raphael Kassin lässt sich nicht in die Karten schauen. Anfragen zu seiner Anlagepolitik beantwortet der Manager des ABN Amro Global Emerging Markets Bond Fund (USD) nur unwillig oder gar nicht.

Über mangelndes Interesse an Kassins Arbeitsleistung kann sich die niederländische Großbank dennoch nicht beklagen: Mit einem Volumen von 1,5 Mrd. Euro ist der auf Anleihen aus Schwellenländern spezialisierte ABN-Amro-Fonds das mit Abstand größte Produkt seiner Vergleichsgruppe - und mit einer Wertentwicklung von 39,86 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten das beste (Tabelle).

Der Erfolg beruht in erster Linie auf Kassins Strategie, sich in seinem Anlageuniversum völlig frei zu bewegen. Wenn der Leiter des Schwellenländerrenten-Teams von ABN Amro in einem Markt besondere Chancen erkennt, greift er kompromisslos zu. Seit Monaten favorisiert er im Vergleichsindex (Merrill Lynch Global Emerging Market Index) kaum vertretene Papiere aus Argentinien und Venezuela, ihr Anteil am Portfolio betrug Ende März zusammen mehr als 60 Prozent. Im Gegenzug findet das im Index mit 18 Prozent gewichtete Brasilien derzeit nur zu 0,1 Prozent Berücksichtigung.

In punkto Performance trennen den auf Rang 64 abgerutschten DWS Invest Euro Emerging Markets Bonds Welten von Kassins Erfolgsprodukt. DWS-Manager Nicolas Schlotthauer verweist allerdings darauf, dass er mindestens 80 Prozent seines Portfolios in Euro-Papiere investieren muss und Dollar-Positionen grundsätzlich absichert. "Dadurch gingen dem Fonds zwangsläufig Währungsgewinne verloren", sagt Schlotthauer. Doch auch der DWS Emerging Markets Bonds und der DWS Emerging Markets Bond Typ O, für die diese Beschränkungen nicht gelten, finden sich mit einem Zwölf-Monats-Plus von 19,26 respektive 16,23 Prozent nur im Mittelfeld. "Wir achten bei unseren Investments sehr auf eine ausgewogene Risikostreuung", sagt Schlotthauer. Dazu gehöre, einzelne Länder nur im Ausnahmefall mit mehr als zehn Prozent zu gewichten. Die Aussichten für das von ihm betreute Marktsegment beurteilt der DWS-Manager trotz der deutlich gesunkenen Renditeabstände zu US-Staatsanleihen weiter als aussichtsreich. Als Begründung nennt er das Beispiel Russland. "Es stimmt zwar, dass der Vorsprung russischer Dollarpapiere in den vergangenen Jahren von 600 auf nur noch 100 Basispunkte (ein Prozentpunkt) zusammengeschmolzen ist", sagt Schlotthauer. Das Risiko eines Zahlungsausfalls hält er angesichts sprudelnder Öleinnahmen aber für äußerst begrenzt. Deutlich sicherer seien heute auch manche früher als Wackelkandidaten geschmähten Länder wie Brasilien und die Philippinen.

Autor: Thomas Wilkens, Der Fonds

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