Schwieriges erstes Jahr in Deutschland: Hedge-Fonds-Branche läuft sich warm

Schwieriges erstes Jahr in Deutschland
Hedge-Fonds-Branche läuft sich warm

Ein maues Jahr bescheinigen Experten dem hierzulande neuen Investment Hedge-Fonds. Wer darauf als Rendite-Turbo gesetzt habe, sei enttäuscht worden. Doch als Mittel des Risikomanagements genutzt, könne der Ertrag eines Depots verstetigt werden.

HB DÜSSELDORF. Die Bilanz des ersten Hedge-Fonds-Jahres in Deutschland ist mit Blick auf die Produkte und die Performance ernüchternd: Die Anzahl der aufgelegten und zugelassenen Fonds beziehungsweise mit einer Erlaubnis zum öffentlichen Vertrieb in Deutschland ausgestatteten ausländischen Produkte blieb hinter den Erwartungen zurück. Denn nur eine Hand voll Anbieter ist mit Hedge-Fonds an den Markt gekommen. Es hat sich gezeigt, dass der Strukturierungs- und Genehmigungsprozess langwieriger und komplizierter ist, als mancher Produktanbieter zunächst vermutete. Vor allem die steuerlichen Transparenzanforderungen stellen dabei eine große Hürde dar. Dadurch waren Anbieter, die schon auf Erfahrungen mit dem Auslandsinvestmentgesetz zurückgreifen konnten, hier klar im Vorteil.

Vor gut einem Jahr waren die Absatzschätzungen für die neue Assetklasse zum Teil recht kühn. Doch dabei wurde die Rechnung scheinbar ohne die Anleger gemacht: Private wie institutionelle Investoren zeigten sich gleichermaßen zurückhaltend, allerdings hatten die beiden Gruppen dafür ganz unterschiedliche Gründe. Die privaten Anleger, aber auch viele Bankberater und freie Finanzvermittler sind mit Hedge-Fonds-Strategien, den verschiedenen Strukturierungsvarianten und der Wirkungsweise der Konzepte im Portfoliokontext wenig vertraut. Ferner existieren immer noch viele Vorurteile, und um das Thema Hedge-Fonds ranken sich zahlreiche Mythen. Hier besteht noch viel Aufklärungs- und Schulungsbedarf.

Sicherlich wenig hilfreich sind jedoch auch die hohen Anforderungen an den Vertriebsprozess, vor allem der zur Verunsicherung führende obligatorische Warnhinweis bezüglich eines potenziellen Totalverlustes. Hiermit wird einer Assetklasse pauschal ein Stempel aufgedrückt, den sie nicht verdient. Bei den institutionellen Investoren waren es vor allem die dem Versicherungsaufsichtsrecht unterliegenden Institutionen, die Zurückhaltung zeigten. Dies lag in erster Linie an der bis in die zweite Jahreshälfte hinein anhaltenden Unsicherheit über die Rahmenbedingungen, unter welchen zum Beispiel Versicherungsunternehmen in Hedge-Fonds investieren dürfen: Das entsprechende Rundschreiben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wurde erst im August 2004 vorgelegt.

Schwache Performance

Bleibt ein Blick auf die Hedgefonds-Renditen des Jahres 2004: Trotz eines guten Starts im ersten Quartal und eines soliden vierten Quartals konnte das Gesamtjahr nicht überzeugen. Trendlose Märkte und ausgeprägt niedrige Volatilitäten (erwartete Schwankungsbreiten der Kurse) verursachten vor allem im zweiten und dritten Quartal Performanceschwächen. Das ist zwar nichts völlig Ungewöhnliches: Historische Hedge-Fonds-Renditen zeigen, dass es auch früher schon Jahre mit schwacher Performance gab. Doch es ist unglücklich, dass sich eine solche Situation gerade im ersten Jahr für Hedge-Fonds in Deutschland einstellte. Deshalb ist die Performance auch ein bedeutender Grund für die hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Absatzerfolge. Wichtig ist daher auch in diesem Zusammenhang eine solide Aufklärung. Hedge-Fonds sollten nicht als Rendite-Turbo dargestellt werden. Durch ihre Diversifikationswirkung dämpfen sie langfristig das Risiko und verstetigen den Ertrag eines Portfolios.

Hedge-Fonds werden sich auch in Deutschland etablieren. In dem derzeitigen Stadium sollte man nicht schon von einem Misserfolg dieser Anlageklasse sprechen. Es war ein schwieriges erstes Jahr. Doch vielleicht waren auch die Erwartungen an der Entwicklung des Hedge-Fonds-Marktes in Deutschland teilweise übertrieben. Eine neue Assetklasse braucht nun einmal Zeit, um sich bei allen Beteiligten zu etablieren. Für die langfristige Positionierung von Hedge-Fonds sowohl bei privaten als auch institutionellen Investoren ist die allmähliche Annäherung an das neue Thema und die speziellen Produkteigenschaften allemal besser als eine unkritische Anfangseuphorie mit entsprechendem Enttäuschungspotenzial. Weder Trübsal noch Hochstimmung ist angesagt, sondern Durchhaltevermögen ist gefragt, um ein Marktsegment zu entwickeln, das in Deutschland noch viel Potenzial hat.

Klaus Bollmann ist Geschäftsführer bei Union Alternative Assets GmbH.

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