Schwieriges Jahr
Fondsgesellschaft Gartmore stellt sich zum Verkauf

Mit Roger Guy verlässt ein weiterer wichtiger Manager die Fondsgesellschaft Gartmore. Es war der Schlusspunkt für die wochenlangen Spekulationen über einen Verkauf des Unternehmens. Vorstandschef Jeffrey Meyer bestätigte gestern die Gerüchte und sucht nun einen Käufer. An der Börse stürzt die Aktie ab.
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LONDON. Zu Übertreibungen scheint Jeffrey Meyer, der Vorstandschef der britischen Fondsgesellschaft Gartmore, nicht zu neigen. "2010 ist ein schwieriges Jahr für uns", fasste Meyer die Lage des angeschlagenen Vermögensverwalters gestern zusammen. Tatsächlich hat der Vorstandschef sein Unternehmen gestern zum Verkauf gestellt.

Nachdem Gartmore eine Reihe seiner prominentesten Investmentmanager abhanden gekommen war, engagierte Meyer die Investmentbank Goldman Sachs als Berater für eine Fusion oder einen Verkauf der Firma. "Noch ist unklar, ob Gartmore selbstständig bleiben wird", sagte Meyer. Eine Entscheidung soll bis zur Veröffentlichung der Quartalsdaten für die ersten drei Monate 2011 fallen.

Die Botschaft verbreitete gestern Nervosität unter den ohnehin verunsicherten Gartmore-Eigentümern. Die Aktie verlor in London 18 Prozent - so steil war es für die Fondsgesellschaft noch nie abwärtsgegangen. Gartmore hatte erst im September 2009 den Börsengang gewagt, seither hat sich der Marktwert mehr als halbiert.

Die Probleme des Vermögensverwalters begannen im vergangenen April, als die Firma ihren Starmanager Guillaume Rambourg suspendieren musste, weil dieser gegen interne Vorschriften verstoßen hatte. Rambourg hatte 1996 bei Gartmore angeheuert und galt als anerkannter Spezialist für europäische Aktien. Seit zehn Jahren war er gemeinsam mit seinem Kollegen Roger Guy für den wichtigsten Hedge-Fonds der Fondsgesellschaft verantwortlich.

Gestern musste Gartmore-Chef Meyer einräumen, dass nun auch Guy seinen Job aufgeben will. Guy werde sich im kommenden Jahr aus dem Tagesgeschäft zurückziehen, sobald seine Nachfolge geregelt sei. Mit seinem Team, das für Investitionen in Aktien europäischer Großunternehmen verantwortlich ist, betreute der Fondsmanager zuletzt 3,5 Mrd. Pfund, das sind rund 17 Prozent der 21 Mrd. Pfund, die Gartmore insgesamt verwaltet.

Zudem verlor das Unternehmen Anfang September Gervais Williams, der den Gartmore "Growth Opportunities Fund" managte. Und Chief Investment Officer Dominic Rossi wird zum Konkurrenten Fidelity abwandern.

Von Juni bis Ende Oktober zogen Investoren netto eine Mrd. Pfund aus den Gartmore-Fonds ab. Die Fondsgesellschaft hat Signale, dass sie in den kommenden Wochen weitere 500 Mio. Pfund verlieren wird. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, hat Vorstandschef Meyer ein Sparprogramm von zehn Mio Pfund aufgelegt. Außerdem plant er eine Kapitalerhöhung von bis zu 15 Prozent des Grundkapitals. Mit diesen Mitteln will er versuchen, weitere wichtige Fondsmanager von Abwanderungsgedanken abzubringen.

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