Segen oder Gefahr?
Staatsfonds drängen auf den Aktienmarkt

Nicht nur für Privatanleger gestaltet sich die Renditesuche schwierig. Im Niedrigzinsumfeld müssen auch Staatsfonds kreativ werden. Fündig werden sie auf den Aktienmärkten. Doch Experten warnen vor ihrer Marktmacht.
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LondonWegen ultra-niedriger Zinsen auf Anleihen drängen Staatsfonds auf der Suche nach Rendite in die Aktienmärkte. Doch das zusätzliche Geld wird nicht von allen mit offenen Armen empfangen. Experten warnen vor den Risiken eines Missbrauchs der Marktmacht durch staatliche Investoren.

Eine Gefahr sehen sie darin, dass Staaten diejenigen Firmen, an denen sie beteiligt sind, mit Hilfe von Gesetzen bevorteilen. Für Diskussionsstoff sorgt aber auch der Kauf von Farmen durch chinesische Staatsfonds in Afrika, mit dem das Land seine Nahrungsmittelversorgung sichern will. Aber auch politisch werden Fonds gelegentlich instrumentalisiert. So sollte zu Beginn der Ukraine-Krise die staatliche russische Pensionskasse den Löwenanteil eines 15 Milliarden Dollar schweren Hilfspakets für die Ukraine zur Verfügung stellen. Staaten wie Kasachstan, Kuwait oder Irland zapften ihre Fonds an, um der heimischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen.

„Kredit- und Kapitalströme werden politisiert“, sagt Steve Hanke, Wirtschaftsprofessor an der Johns Hopkins Universität und Forscher bei der Ideenschmiede Cato Institute. „Das ist ein beunruhigender Trend und wird zu Heulen und Zähneklappern führen.“ David Marsh, Geschäftsführer des Official Monetary and Financial Institutions Forum (OMFIF), das die Geschäfts öffentlicher Finanz-Organisationen untersucht, warnt: „Es gibt eindeutig potenzielle und wirkliche Interessenskonflikte. Es sollte eine Art Verhaltenskodex geben.“

Der Einfluss staatlicher Investoren ist gewaltig: Dem OMFIF zufolge verwalten Notenbanken, Pensions- und Staatsfonds ein Vermögen von 29,1 Billionen Dollar. Dies entspricht etwa 40 Prozent der weltweiten jährlichen Wirtschaftsleistung. Einem größeren Publikum bekannt sind die Staatsfonds der Emirate Kuwait und Katar, die jeweils die größten Anteilseigner der Autobauer Daimler und Volkswagen sind. Auch Russland, China oder Singapur sind an den Finanzmärkten aktiv.

Freiwillige Selbstverpflichtung
Yngve Slyngstad, der Chef des weltgrößten Staatsfonds aus Norwegen, ist sich der Verlockung, mit gezückten Brieftaschen politische Hindernisse aus dem Weg zu räumen, durchaus bewusst. „Ich nehme dieses Thema nicht auf die leichte Schulter“, betont er. Aus diesem Grund gebe es im seinen Haus klare Selbstverpflichtungen. Hierzu gehörten eine Maximalgrenze für Beteiligungen und klare Aussagen darüber, wie der Fonds seine Rolle als Eigner ausübe. Slyngstad ist Herr über ein verwaltetes Vermögen von 890 Milliarden Dollar. Das entspricht fast dem Doppelten der jährlichen Wirtschaftsleistung des skandinavischen Landes.

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Machtmissbrauch durch Staatsfond?

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