Seifert möchte die Kritiker der Übernahme in London überzeugen: Hedge-Fonds TCI will Aktionär der Deutschen Börse bleiben

Seifert möchte die Kritiker der Übernahme in London überzeugen
Hedge-Fonds TCI will Aktionär der Deutschen Börse bleiben

Die Deutsche Börse muss sich darauf einstellen, dass der rebellische Hedge Fonds TCI auf absehbare Zeit dem Aktionärskreis angehört. „Wir gehen davon aus, dass wir langfristig dabei bleiben“, sagte TCI-Chef Christopher Hohn dem Handelsblatt. Damit wandte er sich gegen Spekulationen, der Fonds könnte seine Anteile bald verkaufen.

fs/pot LONDON/FRANKFURT/M. Die Mutmaßungen waren aufgekommen, nachdem die Börsenaktie in den letzten Wochen auf immer neue Höchststände gestiegen war, was dem Hedge Fonds ordentliche Kursgewinne beschert habe dürfte.

Für Börsenchef Werner Seifert ist die Ankündigung von TCI keine gute Nachricht, denn der Fonds ist einer der Wortführer jener Aktionäre, die einen Kauf der Londoner Börse (LSE) vehement ablehnen. Schon jetzt hält TCI nach eigenen Angaben 8,5 Millionen Aktien oder rund 7,6 Prozent der Deutsche-Börse-Anteile. Damit ist TCI nach der Capital Group, die zehn Prozent hält, der zweitgrößte Aktionär der Börse.

Um die kritischen Aktionäre auf seine Seite zu bringen, hat das Management der Börse die Anteilseigner jetzt zu neuen Gesprächen eingeladen, die sich bis kommenden Mittwoch hinziehen sollen. TCI hat die Einladung aber bereits abgelehnt. Hohn sagte, er habe „kein Vertrauen mehr, dass das Management seinem Aufsichtsrat die Diskussionen mit den Aktionären akkurat wiedergibt“.

Der TCI-Chef ärgert sich vor allem darüber, dass der Aufsichtsrat nicht bekannt gibt, wie viele Anteilseigner die Übernahme ablehnen. In einem Brief an die Deutsche Börse verlangt TCI, dass ein unabhängiger Rechtsanwalt die Anteile jedes Aktionärs sowie dessen Position zu der geplanten Übernahme festhalte. Auf diese Weise lasse sich „schnell demonstrieren, dass die Mehrheit der Aktionäre die geplante Akquisition ablehnt und statt dessen einen Aktien-Rückkauf befürwortet“.

Wie die Stimmung im Aktionärskreis der Börse tatsächlich ist, darüber gibt es nur Mutmaßungen. In der britischen Presse, die den Übernahmeplänen nicht viel Gutes abgewinnen kann, wird der Anteil der Übernahmegegner auf 35 Prozent geschätzt. Als Gegner haben sich bisher unter anderem der Hedge-Fonds Atticus, die Fondsgesellschaft Fidelity und die Investmentbank Merrill Lynch geoutet.

Hohn kündigte an, in der dritten oder vierten Aprilwoche eine Liste mit bis zu elf Kandidaten für den neuen Aufsichtsrat vorzulegen. TCI will den amtierenden Aufsichtsrat um Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer auf der Hauptversammlung abwählen, um die LSE-Übernahme zu verhindern. Als Ersatz für Breuer steht Baron Jakob Rothschild auf der Liste der Rebellen. Dessen Unabhängigkeit in der Übernahmefrage dürfte aber begrenzt sein, denn sein Sohn Nathaniel Rothschild ist Präsident des Hedge Fonds Atticus.

Unterdessen hat Seifert in einem Brief an den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch versichert, die Übernahme bringe für Frankfurt keine Nachteile. Vielmehr würde ein solcher Schritt die Börse selbst und damit den Finanzplatz stärken. Damit reagierte Seifert auf die anhaltenden Bedenken in Frankfurter Finanzkreisen, eine Expansion würde zu Lasten des Platzes Frankfurt gehen, weil die beiden wichtigen Vorstandsressorts für Aktienhandel und Terminmarkt künftig in London angesiedelt werden sein sollen.

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