Serie: Die Marktmacher
Ein Professor bewegt Milliarden

Er ist der Schattenmann im Investment-Business: Josef Lakonishok. Der breiteren Öffentlichkeit unbekannt, hat der 59-jährige Finanzprofessor aus den USA ein Milliarden-Imperium aus dem Boden gestampft. LSV Asset Management heißt seine Anlagegesellschaft in Chicago.

FRANKFURT. Der Professor ist noch nicht lange im Geschäft und verwaltet schon 48 Mrd. Dollar. Per Computer-Rasterfahndung sortiert er viel versprechende Wertpapiere aus – mit durchschlagendem Erfolg.

Lakonishok wird in Litauen geboren. Schon früh wandert die Familie nach Israel aus. Da ist Lakonishok zwölf. Der Vater führt ein Lebensmittelgeschäft in Tel Aviv. Damals können seine Eltern nicht ahnen, dass ihr Sohn eines Tages mit Milliarden jonglieren und das Geld anderer Leute nach den Analyseergebnissen seines Computer navigieren wird.

Beim Start der akademischen Karriere hat der künftige Aufsteiger noch keinen Schimmer von seiner Begabung. Er will etwas anderes werden. „Doch meine Noten waren zu schlecht für ein Ingenieursstudium, für Jura oder Medizin“, sagt er. Aber, räumt Lakonishok verschmitzt ein, für Finanzwissenschaften hätten seine Noten gereicht. Die heutigen Kunden werden das zu schätzen wissen.

Nach den Tel Aviver Jugendjahren zieht es den Finanzfachmann ins Land des Big Business, in die USA. Mitte der 80er-Jahre lehrt er unter anderem Portfoliotheorie an der Cornell Universität, hat heute formell noch eine Professur. Das Unterrichten gibt er allerdings auf. So hat er Zeit für seine Frau und seine beiden Kinder. Auf einen seiner Söhne färbte die väterliche Vorliebe schon ab. Er arbeitet beim großen US-Vermögensverwalter Blackrock.

„1993 habe ich zum ersten Mal über die Gründung einer eigenen Gesellschaft nachgedacht“, sagt der Professor. Kurze Zeit später wagen sie den Start zu dritt: Lakonishok und zwei andere Wirtschafts- und Finanzprofessoren. Die ersten Buchstaben ihrer Nachnamen stehen für den Firmennamen: Lakonishok, Shleifer, Vishny. Das Geschäft läuft äußerst zäh an, auch wenn die ersten Kunden die Pensionsfonds von Shell und John Deere und außerdem der Stiftungsfonds der Universität Stanford sind – allesamt bekannte Adressen. Erst in den letzten Jahren beschleunigt sich das Geschäft rasant.

Der Professor hat sein Computermodell auf die Auslese drastisch unterbewerteter Firmen programmiert. Insider sprechen von „Deep-Value-Aktien“. Deren Kurse sind oft am Boden zerstört. Die Suche nach den künftigen Highflyern ist heikel. „Man muss sortieren zwischen den Firmen, die gar keine Zukunft haben, und jenen, bei denen es Hoffnung auf Besserung gibt“, beschreibt Lakonishok das Problem. Was billig ist, kann eben auch noch billiger werden.

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