Sichere Anlage
Indexfonds sind Bestseller

Börsengehandelte Indexfonds sind transparent, sicher und damit in der Krise besonders beliebt. Das weltweit verwaltete Vermögen der Fonds hat nun einen neuen Höchststand erreicht. Das Interesse der Anleger lockt neue Anbieter in den Markt, die auch vom Wachstum der Branche profitieren möchten.
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FRANKFURT. Börsengehandelte Indexfonds boomen wie kaum ein anderes Segment an den Finanzmärkten. Ende Juli erreichte das globale Vermögen der Exchange Traded Funds (ETFs) ein Allzeithoch von 858 Mrd. Dollar, umgerechnet 613 Mrd. Euro. "Die Branche ist in 16 Jahren von Null auf einen Multi-Milliarden-Markt gewachsen, und es gibt keine Anzeichen für ein nachlassendes Investoreninteresse", urteilt Deborah Fuhr, Leiterin ETF-Research beim Marktführer Barclays Global Investors.

Es gibt viele Gründe für das Wachstum, auch und gerade in der Finanzkrise. Investoren erkennen die Produktvorteile. Ganz oben stehen Transparenz und Liquidität - während in der Finanzkrise Märkte für komplexe Anleiheprodukte zeitweise völlig austrockneten. Dazu kommt der praktische Ausschluss von Emittentenrisiken - gerade in Zeiten nach der Lehman-Insolvenz hoch geschätzt. Weitere Pluspunkte im Vergleich zu den klassischerweise aktiv verwalteten offenen Investmentfonds sind die schnelle Orderabwicklung zu einem bekannten Preis, der fehlende Ausgabeaufschlag und geringe laufende Gebühren. Noch dazu können private Anleger und gerade institutionelle Investoren ETFs flexibel einsetzen, etwa im Rahmen von kombinierten Kassa- und Terminmarkttransaktionen.

Weltweit weist die jüngste Barc-lays-Statistik an 42 Börsenplätzen knapp 1 800 Produkte von 94 Anbietern aus. Im dynamisch wachsenden Europa mit 183 Mrd. Dollar und umgerechnet rund 130 Mrd. Euro ETF-Kapital offerieren 32 Fondshäuser an 20 Plätzen über 750 Produkte. Bester Beleg für den Boom: Im zweiten Halbjahr überstieg die Zahl der ETFs in Europa zum ersten Mal die Zahl der Produkte in den USA.

Angesichts der weiteren Wachstumsperspektiven zahlen Newcomer für einen schnellen Einstieg auch hohe Preise. Das illustriert die Mega-Übernahme von Barclays Global Investors. Der US-Vermögensverwalter Blackrock machte dafür 13,5 Mrd. Dollar locker.

Insbesondere in Europa sehen die Mitspieler Chancen. In der jüngsten Vergangenheit haben vor allem Investmentbanken hier neue Felder besetzt und dafür ihre hauseigene Expertise genutzt - und eben nicht zugekauft wie im Fall Blackrock. Vor etwa zwei Jahren startete die Deutsche Bank, später unter anderem die Commerzbank. Seit einigen Monaten mischt ein Bankentrio aus Goldman Sachs, Morgan Stanley und Bank of America Merrill Lynch mit. Vor wenigen Tagen startete HBSC auf dem europäischen ETF-Markt.

Noch immer konzentrieren sich das ETF-Vermögen und die Handelsvolumina auf populäre Aktienindizes wie den Euro Stoxx 50 und den Dax. Aber schnell erweitern ETFs für Anleihe-Messlatten und andere Vermögensklassen die Produktpipelines. Auf einer zweiten Innovationsebene bieten Fondshäuser immer mehr spezielle Portfolios an, bei denen die Aktien-Messlatte regelmäßig angepasst wird. Bei diesen halb-aktiven ETFs bestücken die Verwalter die Indizes mit den Aktien beispielsweise jener Firmen, die die besten Fundamentaldaten bieten - etwa bei Dividenden.

Auf einer weiteren Innovationsebene gehen Anbieter von der einfachen Indexabbildung ab und offerieren Short- oder Hebel-ETFs, die eine Baissespekulation ermöglichen oder eine vielfache Indexrendite liefern. Diese Produkte sind jetzt allerdings in den Fokus von Finanzaufsichten geraten, da ihre Wertentwicklungen über längere Zeit teilweise nur schwer nachvollziehbar sind.

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