Sieben Milliarden Euro in Auflösung
Ein heißer Herbst für offene Immobilien-Fonds

Degi International muss schließen, die Liquidität reicht nicht mehr. Es ist bereits der sechste offene Immo-Fonds in Auflösung, - und zwei weitere Schwergewichte wackeln. Betroffene Anleger brauchen einen langen Atem.
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FrankfurtDer offene Immobilienfonds Degi International wird aufgelöst. Der Fonds hatte seit Mitte November 2009 keine Anteile mehr zurückgenommen. Die Rückgabebegehren der rund 70.000 Anleger hätten bei Wiedereröffnung die dann voraussichtlich verfügbare Liquidität überstiegen, begründete die Fondsanbieterin Aberdeen heute das Ende für den Fonds. Die Fondsgebäude sollen nach und nach bis 2014 verkauft werden und die Erlöse halbjährlich an die Anleger ausgezahlt werden. Die erste Tranche ist für April 2012 vorgesehen.
Der Herbst der Entscheidungen bei den kriselnden Offenen Immobilienfonds begann bereits mit einer Enttäuschung: Als erstes der verbliebenen Sorgenkinder kündigte 19. Oktober der seit fast zwei Jahren eingefrorene Axa Immoselect seine Abwicklung an. Die Gesellschaft Axa Investment Managers sah angesichts der massiven Rückgabewünsche der Anleger keine Chance mehr, den Fonds wieder zu öffnen. Mitte November wäre die Gnadenfrist für die vorübergehende Schließung abgelaufen - wie beim Degi International von Aberdeen, den nun ein ähnliches Schicksal ereilte.

Der 2003 noch unter Regie der Dresdner Bank aufgelegte Fonds hat gegenwärtig ein Volumen von rund 1,5 Milliarden Euro. Der Degi International litt wie der bereits in Abwicklung befindliche Degi Europa darunter, dass ihm der Vertrieb am eigenen Bankschalter wegbrach. Dies zunächst dadurch, dass die Fondsgesellschaft Degi an den Vermögensverwalter Aberdeen verkauft wurde. Noch schwieriger wurde es später, als die Commerzbank die Dresdner Bank übernahm. Die Commerzbank ist mit dem Konkurrenzprodukt Hausinvest auf dem Markt.

Aberdeen hat bereits Erfahrung mit der Abwicklung eines Offenen Immobilienfonds: Das Ende des Degi Europa wurde bereits vor einem Jahr besiegelt. Auch der KanAm US-Grundinvest, der Morgan Stanley P2 Value und der TMW Weltfonds haben die Krise nicht überlebt. Inzwischen befinden sich hierzulande nun bereits sechs offene Immobilienfonds in der Auflösung mit einem Volumen von mehr als sieben Milliarden Euro, weil sie nach der Finanzkrise nicht wieder auf die Beine gekommen sind.

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  • magja alles stimmen - aber warum wird hier eine tagelange news so hoch-ge-jazzt; noch dazu, ohne etwa den titel des axa - fonds zu nennen? bloss weil die ersten 5 zeilen wahre, tagesaktuelle news drin sind, sollte der rest der meldung auch verstaendlich sein. so eine gestueckelte news mit bruchteilen einer tagelangen reutersmeldung als aufmacher bei handelsblatt.com zu bringen, das ist ' ne frechheit. wo bleibt die einordnung und das wirklich mal ganz durchlesen der meldung? - da ich dieses thema hier und anderswo verfolge, nehme ich mir die kritik mal raus. "ge-hebelte" news sozusagen, kollegen :) bzw. :(

  • Mir wurden auch 7 600 Euro im Kanam Grundinvest eingefroren. Das dieser Fond nochmal öffnet bezweifle ich sehr. Der Börsenkurs liegt bei 42 Euro, die Liquidität bei unter 10 %. Natürlich wird jeder Privatanleger sofort nach einer (hypothetischen Öffnung) sein Produkt liquidieren.

  • Und die anderen die noch offen sind werden als Dominosteine herhalten. Ein Armutszeugnis für die Branche, Geschäftleitung, Fondsmanager usw. von AXA, DEGI und Konsorten. Wenn die einzigen Immofonds z.B. von einem der größten Versicherer nicht gehalten und gestützt wird (ein 2 Immofonds gibt es dort nicht) sollte man sich mal in der Geldbranche Gedanken über das Versagen der Verantwortlichen -eigentlich kann von Verantwortung keine Rede sein- machen.
    Zumindest kann man die Branche Immobilien nicht empfehlen und das Risko ist nicht anders wie bei Aktien und höher zumal man über gar keine Liquidität verfügt. Die Abwertungen waren bisher beachtlich. Und beim Verkauf in der Abwicklungsphase machen sich die Verantwortungslosen die Taschen voll und der Kunde hat dann noch ein paar Euros auf dem Konto. Lapidar heißt es dann: "Mehr war nicht beim Verkauf zu erzielen". Wer es glaubt wird seelig! Da müßten die Gesetzgeber mit der Judikativen und der Steuerfahdnung mal dabei sitzen. Die würden sich wundern, wie soetwa abgewickelt wird.

    So läuft das Business und die Welt bzw. Anleger schauen zu.

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