Sonderkonjunktur für den Fonds-Spitzenreiter JPMF Middle East Equity könnte sich dem Ende zuneigen
Profis für Emerging Markets werden skeptisch

Ashraf El Ansary tritt ein schweres Erbe an. Der neue Manager des JPFM Middle East Equity von JP Morgan übernimmt sein Amt just in jenem Moment, in dem Vorgängerin Liesbeth Rubinstein den Fonds zu einem der erfolgreichsten Depotbausteine für Schwellenländerfans gemacht hat.

HB HAMBURG. Einen durchschnittlichen Wertzuwachs von mehr als 19 Prozent in den vergangenen drei Jahren schafften außer dem auf Aktien aus der Türkei, Israel, Jordanien, Libanon und Nordafrika spezialisierten Regionenfonds lediglich einige Indien- und Russland-Portfolios. In der Kategorie der global anlegenden Schwellenländerfonds belegt der JPMF Middle East sowohl über drei Jahre als auch über zwölf Monate Rang eins (Tabelle).

Daran, dass der Ägypter seiner Aufgabe nicht gewachsen wäre, liegt es jedoch nicht. Als Länderspezialist für den Nahen Osten arbeitete er fast vier Jahre lang eng mit Rubinstein zusammen. Vielmehr sind es die Märkte, die Anlass zur Besorgnis geben. Das sieht auch El Ansarys Arbeitgeber so. Unter der Überschrift „Vorsicht ist geboten“ warnt JP Morgan im jüngsten „Investment-Bulletin“ vor weiteren Kursverlusten in den Schwellenländern. „Wir rechnen mit einem weiteren Abzug von Liquidität“, heißt es, und weiter: „Die Aktienmärkte der Schwellenmärkte werden traditionell durch eine ins Negative drehende Gewinndynamik belastet.“ Wie wenig in diesem Szenario der Nahe Osten als Fluchtburg taugt, lässt ein Blick ins Portfolio des auf Rang neun liegenden JPMF Emerging Markets Equity ahnen: Dort ist die Region derzeit nur mit knapp drei Prozent vertreten.

„Auf dem aktuellen Niveau sind speziell ägyptische und jordanische Aktien unbezahlbar“, warnt auch Michael Keppler. Beim Chef von Keppler Asset Management laufen die Fäden der auf den Rängen zwei bis vier platzierten Fonds, darunter der Global Advantage Emerging Markets High Value, zusammen. Dort investiert Keppler ausschließlich in den Ländern mit den günstigsten Bewertungen, gemessen etwa an der Dividendenrendite, dem Kurs-Buchwert- und dem Kurs-Gewinn-Verhältnis. Ein Auswahlprozess, den derzeit aus der Region nur die Türkei besteht: Ihr Anteil am Portfolio beträgt vier Prozent. Deutlich günstiger sind unter anderem Südkorea, Russland, Brasilien, Tschechien und die Philippinen, die in allen drei Fonds zusammen mehr als 70 Prozent des Vermögens ausmachen.

Zwar beurteilt auch Keppler die Aussichten an den Schwellenbörsen generell nicht mehr so rosig wie noch vor Beginn der amerikanischen Zinserhöhungen. Gleichwohl sieht sich der Länderanalyst durch seine vorsichtige Anlagepolitik gegen drastische Kursverluste gewappnet. Der Blick in die Vergangenheit untermauert diese Zuversicht: In den Jahren 1994 und 1995, als Aktienfonds für Schwellenländer nach ebenfalls stark steigenden US-Zinsen im Durchschnitt 33 Prozent an Wert verloren, waren es beim Global Advantage nur zwölf Prozent.

Egon Wachtendorf, Der Fonds

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