Sorge um Kreditvergabe
Lehman-Pleite trifft Hedge-Fonds

Die Pleite von Lehman Brothers hat auch einige der prominentesten Namen der Hedge-Fonds-Welt auf dem falschen Fuß erwischt. Doch die Krise trifft nicht nur Fonds, die als Investoren an Lehman beteiligt waren. Unter Londoner Hedge-Fonds geht die Sorge um, dass die Bankenbranche ihre Kreditvergabe an Hedge-Fonds weiter einschränkt.

LONDON. Zu den Investoren, die auf eine Rettung der Bank gewettet haben und sich damit verzockt haben, zählt die Investmentlegende George Soros. Der Hedge-Fonds-Manager hatte im zweiten Quartal seine Beteiligung an Lehman auf 9,5 Mill Aktien aufgestockt.

Soros verwaltet ein Vermögen von insgesamt 18 Mrd. Dollar und wurde vor allem durch seine Attacke auf das englische Pfund bekannt, das er Anfang der 90er Jahre aus dem Europäischen Währungssystem drängte.

Auch für den britischen Hedge-Fonds Algebris könnte die Lehman-Pleite verlustreich werden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hielt der Fonds Ende Juni noch 4,5 Mill. Aktien der US-Bank.

Aber die Pleite der viertgrößten US-Investmentbank betrifft nicht nur Fonds, die als Investoren an Lehman beteiligt waren. Unter Londoner Hedge-Fonds geht die Furcht um, dass die Pleite die Bankenbranche so sehr schwächt, dass sie ihre Kreditvergabe an Hedge-Fonds weiter einschränkt. Das könnte einige Fonds zu Notverkäufen zwingen, die den Kursrutsch an den Kapitalmärkten noch beschleunigen könnten.

Die Hedge-Fondsbranche steuert auf ihr erstes Verlustjahr seit 2002 zu. Seit Jahresbeginn hat der durchschnittliche Fonds rund 3,5 Prozent an Wert eingebüßt. Experten erwarten deshalb, dass erstmals seit Jahren die Zahl der spekulativen Fonds sinken wird. Lehman Brothers war selbst im Geschäft mit Hedge-Fonds aktiv. Die Bank war der sechstgrößte Prime-Broker in Europa, gehörte also zu den großen Instituten über die die Hedge-Fonds ihre Geschäfte abgewickelt haben.

Nach Informationen aus Finanzkreisen hatten rund 100 Hedge-Fonds offene Positionen mit Lehman, als die Bank am Montag ihre Konten einfror. „Daraus können Verluste entstehen, allerdings haben viele Fonds bereits in den vergangenen Wochen nur noch wenig Geschäft über Lehman abgewickelt“, sagt der Manager eines Londoner Dachfonds. Den Informationen zufolge betreute Lehman nur zwischen 30 und 40 Hedge-Fonds exklusiv, der Rest hatte seine Geschäfte auf weitere Prime-Broker verteilt. Die Branche sorgt sich seit geraumer Zeit, um die Stabilität der Banken, über die sie ihre Geschäfte abwickeln. „Durch die Lehman–Pleite ist das Misstrauen gegenüber reinrassigen Investmentbanken, weiter gewachsen“, erläutert der Londoner Manager. Dagegen stünden Universalbanken mit ihren großen Bilanzen als Prime Broker bei Hedge-Fonds hoch im Kurs.

Auch der Private-Equity-Branche droht durch die Lehman-Pleite Ärger. Allein in Großbritannien war die US–Bank als Finanzier oder Berater in den vergangenen drei Jahren an über 70 Übernahmen beteiligt. „Davon werden wir ein sehr lautes Echo hören“, warnt Nick Hood von der Beratungsgesellschaft Begbies Traynor.

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