Spagat zwischen Flexibilität und Kosten
Fondsgröße spielt bei Rendite kaum eine Rolle

Kleine Fonds gelten als flexibel. Große, breit investierende Investmentvehikel haben hingegen den Ruf, krisenfester zu sein. Wie beeinflusst die Größe eines Fonds den Erfolg der Geldanlage?

FRANKFURT/M. In schwierigeren Marktphasen hätten kleinere Fonds die Nase vorn, sagt Udo Rosendahl, Senior Portfolio Manager der Deutsche Bank-Fondstochter DWS. „Mit einem Volumen von 40 bis 70 Mill. € kann man aggressiver anlegen und stärkere Wetten auf einzelne, kleine Titel eingehen.“ Wenn die Märkte aber auf breiter Front zulegten, holten die volumenstarken Fonds mit gewichtigem Blue-Chip-Anteil auf.

„Je größer ein aktiv gemanagter Fonds, desto schwieriger ist er zu manövrieren“, meint Joachim Meyer, Geschäftsführer beim bankunabhängigen Fondsberater Fondsconsult. Ein großer Fonds braucht eine gewisse Zeit, um milliardenschwere Positionen umzuschichten, gerade wenn er neben den hochliquiden Blue Chips auch kleinere Werte hält. Ansonsten läuft er Gefahr, die Preise am Markt zu diktieren.

Der Manager eines globalen Mega-Aktienfonds muss zudem mit einem kleineren Anlageuniversum aus größeren Titeln auskommen. „Einem großen Fonds bleiben 800 Titel, während ein kleiner Fonds ein Universum von 2000 hat“, schätzt Wolfgang Mayr, der mit einem kleinen internationalen Aktienfonds in den letzten Jahren Spitzenrenditen erzielt hat. „Wichtig ist, dass das Anlageuniversum bei steigendem Fondsvolumen angepasst wird, damit Fonds nicht illiquide werden.“

Will ein stark wachsender Fonds, der auch auf kleine Titel setzt, aber seinen Charakter nicht verlieren, bleibt nur ein Ausweg: Die Zahl der Fondstitel muss drastisch steigen. Der bekannte Europa-Fonds Fidelity European Growth Fund hat mit 250 mehr als doppelt so viele Aktien im Portfolio wie Konkurrenten. „Das ist nur mit 50 Analysten handelbar“, sagt Jens Wetter von Feri Trust. Den Aufwand können sich nur große Häuser leisten.

Für Wetter ist die Frage der Größe eines aktiv gemanagten Fonds daher ein „Spagat zwischen Flexibilität und Kosten“. Als Minimumgröße für einen aktiv gemanagten Aktienfonds geben Fondsberater meist 10 Mill. € an. Damit können die Fixkosten gedeckt werden. Bei Geldmarkt- oder passiv gemanagten Indexfonds seien große Volumina günstig, meint Wetter. Denn hier stünden nicht Management-, sondern Fixkosten im Vordergrund.

Das Risiko muss bei kleinen Fonds nicht zwingend höher sein als bei großen, meist breiter aufgestellten Fonds: Denn ab einer Zahl von 30 Titeln verbessere eine weitere Diversifizierung das Risiko-Rendite- Verhältnis nicht weiter, erklärt Mayr und verweist auf die Portfoliotheorie. Jedoch gebe es auch kleine Fonds, die mit extremen Wetten auffallen wollten und „mitunter voll daneben liegen“, meint Wetter.



Letztlich „steht und fällt der Erfolg eines Fonds mit dem Können des Fondsmanagers“, sagt Meyer. Das zeigen auch die aktuellen Ranglisten: Sowohl Mayrs knapp 15 Mill . $ leichter WM AktienGlobal US $ UI-Fonds als auch der 5 Mrd. € schwere Flaggschifffonds DWS Vermögensbildung I gehören mit Blick auf die Rendite der vergangenen fünf Jahre zu den besten globalen Aktienfonds. Beide Fonds schwanken dabei fast gleich stark im Wert.



Anleger sollten zunächst Anlagestil und Erfolg eines Fondsmanagers prüfen, bevor sie sich von der Fondsgröße beeindrucken lassen. Gute Fondsmanager müssten jedes Volumen im Griff haben, sagt Heiko Nitzsche von S&P Fund Services.

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