Spekulationsblase
Riskante Schuldner bei Firmenbonds meiden

Unternehmensanleihen sind derzeit so lukrativ wie schon lange nicht mehr. Doch nach den überzogenen Kursgewinnen der vergangenen Monate warnen Experten vor einer möglichen Spekulationsblase - und fordern eine Risikobegrenzung für Firmenbonds-Fonds.
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FRANKFURT. Mit Unternehmensanleihen haben Anleger in diesem Jahr so viel Geld verdient wie lange nicht mehr. Dabei gilt: Je schlechter die Kreditwürdigkeit der Emittenten, desto größer die Gewinne. Im Katastrophenjahr 2008 war es umgekehrt. Grund war, dass Investoren nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers die generellen Ausfallrisiken von Unternehmensanleihen völlig neu bewertet haben. Das traf Bonds von Unternehmen mit ohnehin geringer Kreditwürdigkeit und damit höherer Ausfallwahrscheinlichkeit besonders hart.

Die Anleihen dieser Firmen werden als Hochzinsanleihen, High-Yield-Bonds, salopp auch als Junk-Bonds bezeichnet. Im Gegensatz dazu stehen Anleihen von Firmen, denen die großen Ratingagenturen Standard & Poor?s (S&P), Moody?s und Fitch eine solide Bonität im so genannten Bereich Investment-Grade attestieren. Als Investment-Grade gelten Anleihen mit Ratings von Dreifach-A bis Dreifach-B, ab Doppel-B beginnt der Non-Investment-Grade-Bereich für schwächere Schuldner.

Die Investoren an den Kreditmärkten erkannten jedoch schon Ende des vergangenen Jahres, dass die Anleiherenditen im Verhältnis zum Ausfallrisiko überzogen hoch waren. "Die Zeiten, in denen es viele schlechte Nachrichten gibt, sind auch die, in denen man viel Geld verdienen kann", sagt dazu Adam Cordery. Er managt für die Fondsgesellschaft Schroders den "ISF Euro Corporate Bond" - einen Fonds, der vornehmlich in Unternehmensanleihen mit dem Gütesiegel Investment-Grade investiert.

Dass Cordery mit seiner Meinung nicht alleine ist, zeigt sich daran, dass die Kurse der Investment-Grade-Firmenbonds schon Mitte Oktober wieder zu steigen begannen. Im Gegenzug sanken die Renditen. Bei Junk-Bonds erholen sich die Kurse nachhaltig erst seit Mitte März 2009, also seit der Zeit, seit die Investoren generell wieder risikofreudiger wurden und auch an den Aktienmärkten zugriffen.

Im Schnitt legten Fonds, die in Investment-Grade-Papiere investieren, nach Daten des Fondsanalysehauses Lipper in den vergangenen zwölf Monaten knapp elf Prozent zu. Die besten Fonds schafften sogar ein Plus von 17 bis knapp 20 Prozent (siehe Tabelle). Die meisten Fonds machten damit die schwachen Ergebnisse aus dem Jahr 2008 wieder mehr als wett, in dem sie durchschnittlich 6,5 Prozent an Wert einbüßten.

Fonds, die ihren Schwerpunkt auf Junk-Bonds legen, erwirtschafteten in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt Erträge von zwölf Prozent. Die Top-Fünf schafften sogar doppelt so hohe Erträge. 2008 hatten Fonds für Hochzinsanleihen durchschnittlich enorme 31 Prozent an Wert verloren. Dieses Minus haben sie seit Januar aufgeholt. Seither summieren sich die Erträge der Fonds auf durchschnittlich satte 44 Prozent.

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