Staatliche Unterstützung
Verbriefungsmarkt: Anleger wollen keine Hilfe

Die Vorstöße aus Politik und Wirtschaft, den angeschlagenen und in Verruf geratenen Verbriefungsmarkt mittels staatlichen Garantien anzukurbeln, stoßen bei großen Investoren auf wenig Gegenliebe. Sowohl Fonds als auch Versicherer wollen die Hilfen nicht, doch den Banken könnten sie helfen, wieder mehr Kredit zu vergeben.

FRANKFURT. „Die Alchemie der Verbriefung gehörte zu den wesentlichen Ursachen der Finanzkrise, und die Folgen waren billionenschwere Rettungspakete weltweit“, betont Jörg von Fürstenwerth, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Vor diesem Hintergrund sei eine staatliche Subventionierung des Marktes „in keiner Weise angemessen“, sagt von Fürstenwerth dem Handelsblatt.

Auch die Fondsgesellschaft Union Investment spricht sich explizit gegen Garantien am Verbriefungsmarkt aus. „Sie würden lediglich die Intransparenz begünstigen und zur Fehlbewertung von Risiken beitragen“, warnt Portfoliomanager Alexander Ohl. Andere Fondsgesellschaften wie Deka Investment und Pimco sowie der Versicherer Allianz Leben halten staatliche Garantien für schlicht „nicht nötig“. Meag – der Asset-Manager der Versicherer von Munich Re und Ergo – sowie die Fondsgesellschaft DWS und der Fondsverband BVI sind etwas offener für Garantien, sehen diese aber höchstens als Starthilfe für den Markt.

Vor allem Fonds, aber auch Versicherer gehören zu den großen langfristig orientierten Investoren am rund 3,2 Billionen Euro schweren Markt für europäische Verbriefungen. Banken- und Industrieverbände haben wiederholt gefordert, dass der Bund oder die staatliche KfW Bankengruppe für bestimmte Risikoklassen bei Verbriefungen bürgen. Auch aus der Politik hatte es vor den Koalitionsverhandlungen Signale in Richtung staatlicher Stützungen gegeben.

Dahinter steckt die Hoffnung, dass Banken wieder mehr Kredite vergeben, wenn sie die Möglichkeit haben, diese über Verbriefungen an Investoren weiterzureichen. Bei Verbriefungen übertragen Banken Kredite aus ihrer Bilanz an Zweckgesellschaften. Die begeben mit den Krediten besicherte Anleihen (Asset Backed Securities, ABS). Dabei hatten sich extrem verschachtelte und mit schwachen US-Subprime-Krediten besicherte ABS als wertlos erwiesen. Das brachte auch europäische Verbriefungen unter Druck.

Inzwischen sind ABS bei Investoren wieder gefragter; entsprechend sind die Risikoprämien – die Renditeaufschläge im Vergleich zu den Interbankensätzen – von ihren Hochs wieder gesunken. Trotzdem krankt der Markt noch daran, dass nur wenige Banken neue ABS auf den Markt bringen (siehe „Herber Einbruch“). Hoffnungen machten zuletzt zum Beispiel eine mit Autoleasing-Krediten besicherte neue ABS von der Volkswagen-Tochter VW Leasing und eine mit Hypotheken besicherte Anleihe der Lloyds-Tochter HBOS.

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