Staatsanwalt fühlt sich hintergangen – Ermittlungen nun gegen Charles Schwab
US-Aufsicht und Spitzer geraten im Fondsskandal erneut aneinander

Im Fondsskandal in den USA verhärten sich die Fronten. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer, der die unsauberen Handelspraktiken der US-Fonds Anfang September aufgedeckt hatte, fühlt sich von der Börsenaufsicht SEC hintergangen. Diese hatte – ohne sein Wissen – einen Vergleich mit der Fondsgesellschaft Putnam geschlossen.

HB/rad DÜSSELDORF. Putnam gehört zu einer Reihe von Gesellschaften, gegen die wegen illegaler Praktiken im Fondshandel ermittelt wird. Dabei geht es um so genannte „late-trading“-Transaktionen, bei denen Händler von Kursdifferenzen im nachbörslichen Handel profitieren. Seit Beginn der Ermittlungen sind mehr als 40 Spitzenmanager von US-Finanzhäusern beurlaubt oder entlassen worden, darunter auch der frühere Vorstandschef von Putnam, Lawrence Lasser.

Die Einigung zwischen Putnam und der SEC sieht vor, dass das Finanzhaus Schadenersatzzahlungen an Investoren leistet, unabhängige Aufsichtsratmitglieder ernennt und den Handel der Mitarbeitern begrenzt. Außerdem wird die SEC eine Geldstrafe verhängen. Spitzer kritisierte allerdings, dass die SEC kein Schuldbekenntnis gefordert habe und das Thema Fondsgebühren nicht berücksichtigt wurde.

Für Streit sorgt zudem, dass die Börsenaufsicht Spitzer nicht über die Einigung unterrichtet hat. „Die SEC hat hinter meinem Rücken gehandelt“, klagte der Generalstaatsanwalt. Angesichts der Entscheidungsprozesse innerhalb der SEC wisse er nicht, ob er weiter mit der Behörde zusammen arbeiten könne. Schon zuvor hatte Spitzer der New Yorker Börsenaufsicht vorgeworden, dass sie zu langsam auf die Vorkommnisse reagieren würde und gefordert, dass bei der SEC „Köpfe rollen sollten“. Der Vorsitzende der Behörde, William Donaldson, hatte die Forderungen Spitzers als „nicht gesund“ zurückgewiesen. Seither ist das Verhältnis angespannt.

Wenn der Staatsanwalt – wie angedroht – die Kooperation mit der Behörde aufgekündigt, sind Einigungen zwischen den Finanzinstituten und der SEC nicht viel wert, da Spitzer die Unternehmen jederzeit anklagen kann. Für die betroffenen Unternehmen bedeutet das eine erhöhte Unsicherheit. Amerikas größte Investmentfondsgesellschaft, America Capital Management, hat darauf jetzt reagiert und Rückstellungen von 190 Mill. $ für eventuelle Entschädigungszahlungen und Strafgelder zurückgestellt.

Unterdessen haben die Ermittler weitere Finanzhäuser ins Visier genommen. Unter anderem standen Spitzer und die SEC zuletzt bei der Kreditkartengesellschaft American Express, beim Lebensversicherer Prudential Financial sowie bei PNC Financial Services, der Muttergesellschaft des Vermögensverwalters BlackRock, auf der Matte. Während diese Unternehmen bisher nur aufgefordert wurden, Unterlagen über die Transaktionen der vergangenen Jahre zur Verfügung zu stellen, steht der Börsenmakler Charles Schwab unter Druck. Der Pionier auf dem Gebiet der Fonds-Supermärkte räumte am Freitag ein, auf Drängen der Behörden die Fonds-Transaktionen aus den Jahren 2001 bis 2003 untersucht zu haben und dabei Hinweise auf mögliche Überschreitungen der Handelszeiten gefunden zu haben. Allerdings soll es sich dem Unternehmen zufolge um eine „sehr geringe Anzahl“ von Fällen handeln.

Aufgerüttelt durch die Ausmaße des Skandals in den USA hat auch die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin ihre Untersuchung zu zweifelhaften Handelspraktiken ausgeweitet. Überprüft werden jetzt auch Wirtschaftsprüfer und Depotbanken, sagte eine BaFin-Sprecherin. Von den Umfragen erhoffen sich die Aufsichtsbehörden in Deutschland und anderen europäischen Ländern Anhaltspunkte dafür, ob Spekulanten auf Kosten von Fondsanteilseignern Gewinne gemacht haben. Die Wirtschaftsprüfer, über die die BaFin keine Aufsichtskompetenz hat, würden laut der Sprecherin befragt, weil sie Einblick in die Bücher der Fondsgesellschaften hätten. Bei den Depotbanken laufen die Fonds-Orders zusammen.

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