Staatsfonds
Die staatlichen Schnäppchenjäger

Die Finanzkrise bietet neben zahlreichen Leidensgeschichten durchaus auch Chancen, gerade für Investoren. Besonders Staatsfonds aus Schwellenländern suchen derzeit vielerorts nach günstigen Einstiegsmöglichkeiten. Dabei sind auch deutsche Werte attraktiv.

DÜSSELDORF. Die Investmentgesellschaft GIC aus Singapur ist nicht der erste Staatsfonds, der die weltweite Finanzkrise nutzt, um günstig in eine internationale Großbank zu investieren. Immer mehr staatlich gelenkte Investoren aus Asien oder dem Nahen Osten nutzen die niedrigen Aktienkurse und die Zwangslage vieler Institute für einen Einstieg in die Finanzbranche.

Vor zwei Wochen erst ist die Abu Dhabi Investment Authority (Adia) mit 7,5 Mrd. Dollar bei der amerikanischen Großbank Citigroup eingestiegen. Adia erwarb Wandelanleihen der Citigroup, die zunächst mit jährlich elf Prozent verzinst werden – ein deutlicher Risikoaufschlag gegenüber dem sonst derzeit üblichen Niveau. Dies zeigt, wie willkommen die Staatsfonds in dieser kritischen Marktsituation bei den Großbanken sind. Zwischen März 2010 und September 2011 kann die Adia die Papiere in Citigroup-Titel eintauschen. Dies entspricht dann einem Anteil von knapp fünf Prozent an der US-Bank.

Die Staatsfonds nehmen nach Ansicht von Analysten weltweit aktive Großbanken und Börsenplätze ins Visier, da diese auch vom Wachstum in Schwellenländern profitieren. Laut einer Analyse von Morgan Stanley könnten unter anderem die Deutsche Börse, die Schweizer Bank Julius Bär und die Man Group für die Staatsfonds von Interesse sein.

Auch in die Börsenplätze London und Stockholm sowie die US-Technologiebörse Nasdaq ist Geld aus Schwellenländern geflossen. Gleiches gilt für zahlreiche amerikanische Beteiligungsfonds. So hat der chinesische Fonds CIC sich mit drei Mrd. Dollar am US-Finanzinvestor Blackstone beteiligt.

Auch die Deutsche Bank ist für Staatsfonds attraktiv. So erwarb Dubai im Mai gut zwei Prozent am deutschen Branchenprimus. Während zahlreiche deutsche Politiker den zunehmenden Einfluss der staatlich gelenkten Investoren aus Schwellenländern kritisch sehen, hat die deutsche Finanzbranche damit weniger Probleme. So hat der geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Banken, Manfred Weber, erst kürzlich im Handelsblatt für einen liberalen Umgang mit Staatsfonds geworben. "Die deutsche Wirtschaft profitiert von offenen Märkten und ausländischen Investoren. Daher sollten wir alles vermeiden, was darauf abzielt, im eigenen Land Schutzzäune zu errichten“, sagte Weber.

Auch der Stadtstaat Singapur hat bereits vor dem Einstieg bei UBS die Finanzbranche als Anlageziel entdeckt. So hat sich Temasek Holdings, der Schwesterfonds von GIC, der rund 110 Mrd. Dollar verwaltet, bereits an den britischen Banken Standard Chartered und Barclays beteiligt und hält knapp 30 Prozent an Südostasiens größtem Kreditgeber DBS Group.

Der neue UBS -Aktionär GIC verwaltet mehr als 100 Mrd. Dollar der Währungsreserven von Singapur. Drei Viertel der Summe legt GIC selbst an, der Rest wird von externen Fondsmanagern investiert. Singapurs früherer Premierminister Lee Kuan Yew ist GIC-Verwaltungsratspräsident. Sein Sohn und derzeitiger Regierungschef Lee Hsien Loong firmiert in dem Gremium als sein Stellvertreter. GIC zählt zu den zehn größten Immobilienbesitzern weltweit. So gehört die Londoner Zentrale von Merrill Lynch zum Portfolio. Zu den weiteren Beteiligungen zählen auch das indische Finanzunternehmen ICICI Bank. Der Fonds hat in den vergangenen 25 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 9,5 Prozent im Jahr erzielt, wie Lee Kuan Yew letztes Jahr verriet.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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