Stärkere Konjunktur und steigende Inflation können Anleihemarkt schwer unter Druck setzen
Gefahr bei Fonds für Hochzinstitel

Investmentfonds für hochverzinsliche Anleihen, oft auch High-Yield- Fonds genannt, haben im vergangenen Jahr Renditen im zweistelligen Bereich abgeworfen. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Zinsabstände zu Anleihen mit hoher Bonität stark abnahmen. Mittlerweile überwiegen die Risiken. Dies gilt auch für Schwellenländer-Anleihenfonds

HB DÜSSELDORF. Im Durchschnitt der Kategorie „Anleihen hochverzinslich Euro“ wurde in den abgelaufenen zwölf Monaten eine Wertsteigerung von 14,4 %erzielt. Das ist erheblich mehr als bei den „klassischen“ Anleihenfonds, die nur auf 4,1 % kamen. Bei den jeweiligen Dollar-Kategorien war der Abstand ähnlich, wenn auch die Währungsverluste die Rendite dämpften. Hier stehen einer durchschnittlichen Performance von 4,5 % bei den High-Yield- Fonds ein Verlust von 6,5 % bei den so genannten Investment- Grade-Bonds gegenüber.

Hochverzinsliche Anleihen werden im englischen Sprachgebrauch neben dem bereits erwähnten Begriff „High-Yield-Bonds“ noch mit einer weit weniger schmeichelhaften Bezeichnung bedacht: „Junk- Bonds“, Schrottanleihen also. Dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass der höhere Kupon eine Risikoprämie darstellt. Die Firmen, die diese Anleihen begeben, verfügen über eine niedrige Bonität (Kreditwürdigkeit). Nur durch höhere Zinsen lässt sich das Wertpapier überhaupt absetzen. Denn je niedriger das Rating durch eine der einschlägigen Agenturen wie Moody, S & P oder Fitch, desto höher das Ausfallrisiko.

Die auf Hochzinsanleihen spezialisierten Fondsmanager versuchen nun, Ineffizienzen des Ratings auszunutzen. Sie spekulieren darauf, dass die Bilanzsituation eines bestimmten Unternehmens sich verbessern wird. Wenn dann die Ratingagenturen mit einer Heraufstufung reagieren, steigt der Kurs der Anleihe. Solche Kursgewinne spielen in diesem Segment eine größere Rolle als bei herkömmlichen Anleihenfonds, wo Laufzeitenwahl und Währungsmanagement die wesentlichen Erfolgsfaktoren sind. In Europa ist diese so genannte Bonitätsanalyse erst im Zuge der Formierung eines Markts für Unternehmensanleihen vor gut fünf Jahren eingeführt worden.

Im Jahr 1994 kam es in den USA zu einer regelrechten Junk-Bond- Krise, als zahlreiche Firmen angesichts rapide steigender Zinsen ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Anleiheneignern nicht mehr einhalten konnten. Vor zehn Jahren gab es das Segment Unternehmensanleihen in Europa noch nicht. Daher spielt diese Krise im Bewusstsein der hiesigen Anleger keine Rolle. Doch angesichts der niedrigen Zinsvorsprünge zu hoch gerateten Anleihen sowie der – zumindest in den USA – bald zu erwartenden Zinswende ist die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung dieses Szenarios mittlerweile recht hoch. Anziehendes Wirtschaftswachstum und steigende Inflation – eine tödliche Mischung für Anleihen. Zudem könnten die Zinsabstände dann förmlich explodieren.

Ein separates Segment für hochverzinsliche Anleihenfonds sind die Schwellenländer. Hier zählt weniger die titelspezifische Analyse. Vielmehr ist die richtige Einschätzung der makroökonomischen und politischen Chancen und Risiken des jeweiligen Landes entscheidend, da es sich meist um Staatspapiere handelt. Die Fonds dieser Kategorie haben einen ungewöhnlich langen Zeitraum relativ stabiler Wertzuwächse hinter sich. Über fünf Jahre lassen sie die auf Unternehmensanleihen fokussierten Hochzinsfonds klar hinter sich: Die kumulierte Durchschnittrendite beträgt 61 %gegenüber minimalen Verlusten bei den High-Yield- Fonds.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen weltweit in Schwellenmärkten anlegenden Fonds und solchen, die nur in einer Region oder gar einem Land investieren. Die Volatilität regional begrenzter Fonds ist weit höher, und eignet sich daher eher für Zocker als für das Gros der Anleger.

Doch auch dieses Segment wird immer wieder durch Krisen erschüttert. Im Jahr 1997 riss eine Abwertung des thailändischen Baht ganz Asien in eine verheerende Anleihenkrise. Ein Jahr später sorgten massive Zahlungsausfälle in Russland für hohe Verluste.

Aktuell sehen die wenigsten Beobachter die Gefahr einer neuerlichen Krise als akut an. Dennoch, angesichts der rapide steigenden Inflationsgefahren in den USA und China ist Vorsicht geboten. Inflation ist pures Gift für Anleihen. Langfristig sind aber sowohl High-Yield- als auch Schwellenländer-Fonds als Beimischung interessant, nicht zuletzt durch ihre geringe Korrelation mit den etablierten Aktienmärkten.

*Kai Wiecking ist Leiter Fondsresearch bei Morningstar Deutschland in München.

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