Starke Kursanstiege
Aufschwung in China ist ungebrochen

Der chinesische A-Share-Index hat sich seit Anfang 2006 verfünffacht. Im laufenden Jahr hat er fast 120 Prozent zugelegt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei etwa 50. Zugleich sind die in Hongkong gelisteten H-Aktien mit einem deutlich geringeren KGV von zumeist 20 bis 25 bewertet.

HB WIEN. Die Aktien derselben Unternehmen notieren in Shanghai und Shenzen vielfach um 25 bis 70 Prozent höher als in Hongkong. Arbitragegeschäfte zwischen A- und H-Aktien sind durch die jeweils strikte Beschränkung der Zugangsmöglichkeiten so gut wie unmöglich. China veröffentlichte im August jedoch erste Pläne für eine Liberalisierung der Beschränkungen für den Kapitalverkehr. Seither sind die H-Aktien um rund 50 Prozent gestiegen, verglichen mit rund 17 Prozent Kurszuwachs der A-Aktien.

Die Kurse der A-Aktien werden einerseits vor allem von einer hohen Sparquote und massiver Liquidität getrieben: Chinesische Privatanleger verfügen über enorme und rasant zunehmende Geldvermögen. Als Anlagemöglichkeit bleibt ihnen angesichts meist negativer Realzinsen im Wesentlichen nur der heimische Aktienmarkt, denn Investments im Ausland sind so gut wie unmöglich. Trotz der sehr hohen Bewertungen werden die Aktien jedoch andererseits von realwirtschaftlichem Wachstum getragen.

Derzeit spricht wenig für eine massive Abschwächung dieses Trends, zumal China längst keine reine Exportwirtschaft mehr ist, sondern auch eine sehr dynamische Binnenkonjunktur verzeichnet. Diese wird durch Reinvestition der Exportüberschüsse und die positiven Einkommenseffekte des Aufschwungs angefacht. Experten erwarten, dass eine behutsame Fortführung der Zinsanhebungen und weitere Börsengänge den Boom der A-Aktien abschwächen. So könnten sie in ihre derzeit noch stark überhöhten Bewertungen nach und nach hineinwachsen.

Die Regierung wird zugleich keinen Crash in Shanghai riskieren, indem sie etwa den Kapitalverkehr zu rasch freigibt. Die Beschränkungen für inländische wie für ausländische Anleger dürften daher nur ganz allmählich gelockert werden.

Langfristig bieten chinesische Aktien weiterhin großes Kurspotenzial. Anleger sollten in A-Aktien investierende Fonds meiden und H-Aktien bevorzugen. Diese sind zwar zuletzt zu schnell zu stark gestiegen, von einer Kursblase aber noch weit entfernt. Es empfiehlt sich, derzeit nur einen kleineren Teil des vorgesehenen Kapitals zu investieren und für einen umfangreicheren Einstieg eine Korrektur abzuwarten: China zählt zu den Emerging Markets und ist mit entsprechenden zusätzlichen Risiken behaftet. Eine Anlage in Fonds bietet diesbezüglich einen besseren Schutz als ein Investment in Einzelaktien und ist daher zu bevorzugen.

Mark Monson ist Fondsmanager im Team Emerging Markets Equities bei Raiffeisen Capital Management.

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