Stefan Seip
„Es besteht noch Nachholbedarf“

„Die meisten Depots in Deutschland sind noch sehr heimatlastig“, sagt Stefan Seip. Im Interview spricht der Hauptgeschäftsführer des Fondsverbandes BVI über den Nachholbedarf deutscher Anleger und die Rolle der Anlegerpsychologie.

Handelsblatt: Herr Seip, im letzten Quartal 2006 sind rund 1,7 Mrd. Euro aus Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland abgezogen worden. Warum?

Stefan Seip: Es ist uns noch nicht durchgängig gelungen, den Anlegern die Vorteile einer langfristigen Anlage in Aktienfonds zu vermitteln. Für die Abflüsse gibt es mehrere Erklärungsansätze. Anleger, die in der Hausse 2000 investierten und nach dem guten Börsenverlauf wieder bei ihren Einstandskursen sind, stiegen jetzt aus ihren Fonds aus. Ein zweiter Grund sind hohe Gewinnmitnahmen bei jenen, die zwischen 2001 und 2003 sehr günstig eingestiegen sind. Und ein dritter Erklärungsansatz ist Skepsis. Viele Anleger fürchteten wohl eine Kurskorrektur. Das Vertrauen in Aktien und Aktienfonds ist noch nicht so gefestigt, wie es sein sollte, wenn man diese Anlageform als langfristiges Investment betrachtet.

Legen Investoren 2007 stärker mit Fokus Deutschland an?

Das lässt sich nur schwer vorhersagen. Fakt ist, dass die meisten Depots in Deutschland noch sehr heimatlastig sind. Die guten Wirtschaftsaussichten und eine natürliche Verbundenheit mit dem eigenen Land rechtfertigen sicher eine gewisse Übergewichtung deutscher Aktien, aber nicht einen Anteil von einem Drittel oder mehr, wie er meist Realität ist. Deshalb ist es durchaus in Ordnung, wenn Anleger ihr Portfolio diversifizieren und auch in andere Regionen investieren. Im Gegenteil: Hier besteht sogar ein Nachholbedarf.

Welche Rolle spielt die Anlegerpsychologie?

Sicher sind Fondsanleger keine Day-Trader. Von daher lassen sie sich bei ihren Entscheidungen mehr Zeit und unterliegen weniger dem Einfluss der täglichen Kurse. Allerdings sind sie noch nicht so langfristig orientiert, wie wir uns das wünschen würden. Anders als bei Einzelaktien kann man bei breit gestreuten Fonds auch schwache Börsenphasen einmal aussitzen.

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