Steuererlass nimmt Investoren in die Verantwortung
Filmfonds werden für Anleger riskanter

Spitzenverdiener nutzen anfängliche Verluste aus Investitionen in geschlossene Fonds, um ihre Steuerlast auf andere Einkünften, etwa das Gehalt, zu reduzieren. Mit Filmfonds funktionierte dies lange Zeit besonders gut, denn sie brachten Anlegern sofort 100 Prozent Verlust - und damit höhere Steuervorteile als beispielsweise geschlossene Immobilien- und Schiffsfonds.

DÜSSELDORF. Obwohl im Detail sehr unterschiedlich, haben Filmfonds eines gemeinsam: Ein Fondsanbieter wählt Filme aus, organisiert deren Herstellung, macht den Finanzierungsplan, gibt Erfolgsprognosen ab und beauftragt dann Vermittler, das Eigenkapital für den in der Regel als Kommanditgesellschaft firmierenden Fonds einzuwerben. Der Anleger muss nur zwei Dinge tun: den Zeichnungsschein unterschreiben und die Einlage zahlen.

Und genau dies wird in Zukunft nicht mehr genügen, um die hohen Steuervorteile zu bekommen. Ein neuer Medienerlass verlangt vom Filmfondsanleger, dass er "wesentliche Einflussmöglichkeiten auf die Filmproduktion hat" (Az.: IV A 6 - S 2241 - 81/03). Wohl wissend, dass eine Gruppe von oft mehr als hundert Filmlaien niemals sinnvolle Investitionsentscheidungen treffen könnte, sieht der Erlass vor, dass ein "von den Gesellschaftern selbst aus ihrer Mitte gewählter Beirat" für die Anleger entscheidet. Dabei dürfen weder Initiator noch ihm nahe stehende Personen - wozu auch die Treuhänder gehören, über die die meisten Anleger Fonds beitreten - dem Beirat angehören. Den Beirat wählen dürfen die Gesellschafter frühestens, wenn die Hälfte des Kapitals eingezahlt ist.

"Es wird auch zukünftig noch Medienfonds geben", stellt Michael Oehme, Vorstand des Verbands Deutscher Medienfonds e.V., erleichtert fest, nachdem er zwischenzeitlich das Gefühl hatte, die Finanzverwaltung versuche Medienfonds "tot zu machen".

Noch keine Antwort hat er auf die Frage, wie mit dem Filmgeschäft nicht vertraute Anleger fachkundige Beiräte aus ihrer Mitte bilden sollen. Christof Schmidt, Fachanwalt für Steuerrecht bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers Veltins, stellt sich vor, dass sich der Zahnarzt aus Düsseldorf und der Rechtsanwalt aus Hamburg, die sich in den Fonds-Beirat wählen lassen, mit Hilfe der Fondsgeschäftsführung ins Filmgeschäft einarbeiten. Aus seiner Erfahrung mit nachträglich gewählten Beiräten sagt Schmidt: "Beiräte sind gar nicht so schwerfällig, wie manche Leute glauben." "Ein Beirat muss hoch versichert werden", weist Oehme auf dessen Haftungsrisiko hin. Eine Folge des Erlasses steht für Schmidt fest: "Der Verwaltungsaufwand wird höher."

Auch ein Beirat wird nicht blindlings nach Filmstoff, Drehbuch und Schauspielern suchen und die Kosten kalkulieren. Vielmehr stellt sich Schmidt vor, dass Initiatoren Verträge für mehrere Filme mit den an der Filmproduktion Beteiligten abschließen, die unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch den Beirat stehen. "Im Prospekt müssen Entscheidungsalternativen angeboten werden", sagt Schmidt.

Weil Beiräte erst gebildet werden dürfen, wenn 50 Prozent des Kapitals eingeworben sind, vermuten Oehme wie auch Schmidt, dass künftig Fonds mit geringeren Investitions- wie Eigenkapitalvolumina aufgelegt werden. Fonds werden öfter als bisher nur noch einen oder nur wenige Filme produzieren, wodurch das Risiko für den Anleger, einen Flop zu landen, steigt.

Wem die zu erwartenden neuen Modelle zu riskant sind, kann sich noch bis zum Jahresende an Fonds beteiligen, die unter eine steuerliche Übergangsregelung fallen. Voraussetzung: Mit dem Vertrieb des Fonds muss vor dem 1.9.2002 begonnen worden sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%