Steuern und Recht
Fiese Stolperstricke für Fondssparer

Eigentlich sollte die Abgeltungssteuer den Umgang mit Sparvermögen vereinfachen. Doch wer sein Geld in Investmentfonds gesteckt hat, könnte eine böse Überraschung erleben. Denn in diesem Fall wird alles komplizierter. Über die neuen Regeln für Fondssparer.

DÜSSELDORF. Die Systemumstellung auf die Abgeltungsteuer soll ab 2009 den fiskalischen Umgang mit Sparvermögen deutlich einfacher machen. In Bezug auf die Anlage in Investmentfonds trifft aber eher das Gegenteil zu.

Das liegt vor allem daran, dass es durch die weggefallene Spekulationsfrist beim späteren Verkauf zu umfangreichen Rechenoperationen kommt, um den steuerpflichtigen Erlös auf den Cent genau ermitteln zu können. Ein Beleg für die komplizierte Materie ist der aktuelle Anwendungserlass des Bundesfinanzministeriums, der 147 Seiten zur Erläuterung der Regeln der Abgeltungsteuer für Investmentfonds benötigt (Az. IV C 1 - S 1980-1/08/10019).

Investieren Anleger langfristig über Fondssparpläne, etwa für die Altersvorsorge, müssen sie zweigleisig rechnen und zwischen Erwerben bis zum und nach dem 31.12.2008 und damit Fonds mit und ohne Bestandsschutz unterscheiden. Zwar laufen von der Fondsgesellschaft einbehaltene Kursgewinne, von wenigen Ausnahmen abgesehen, zunächst einmal abgabenfrei auf, doch beim späteren Verkauf in Jahrzehnten greift die Abgeltungsteuer im Nachhinein zu. Das macht besonderes Kopfzerbrechen bei ausländischen Fondsgesellschaften, etwa aus Luxemburg oder der Schweiz.

Zwar entsteht keine höhere Abgabenlast, dafür aber deutlich mehr Arbeit. Denn die Kreditinstitute nehmen ihren Kunden die fiskalische Arbeit ab 2009 nur dann ab, wenn Fonds von Deutschland aus verwaltet werden. Für im Ausland gemanagte Fonds potenziert sich der Verwaltungsaufwand, bei einem thesaurierenden Fonds sogar dann sehr deutlich, wenn die Anteile in einem inländischen Depot liegen. Die laufenden Erträge, also insbesondere Zinsen und Dividenden, müssen weiterhin jährlich in der Einkommensteuererklärung angegeben werden. Diese Pflicht entfällt nur bei inländischen Fonds.

Besonders schwierig wird es, wenn die Auslandsfonds irgendwann einmal abgestoßen werden. Zu diesem Zeitpunkt muss die Höhe der realisierten Verkaufsgewinne oder-verluste um sämtliche während der Haltedauer aufgelaufenen thesaurierten Erträge gemindert werden, um eine zweifache Besteuerung zu vermeiden. Bis 2008 fiel dieser Nachteil kaum auf, da die Kapitalerträge ohnehin in die Steuererklärung mussten und die Veräußerung nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei blieb. Daher war nur selten eine Korrektur des steuerpflichtigen Veräußerungserlöses vonnöten. Erstreckt sich die Haltedauer etwa bei Sparplänen über Jahrzehnte, können Anleger ihren Korrekturbedarf nur ahnen. Sie müssen dem Finanzamt vorrechnen, was alles in der Vergangenheit bereits versteuert wurde und jetzt nicht mehr in den Verkaufserlös einfließen darf.

RA/FAStR Oliver Holzinger ist geschäftsführender Redakteur von "Der Betrieb".

www.der-betrieb.de

Quelle: Pressebild
Oliver Holzinger
Der Betrieb / Chefredakteur
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