Strategen von DWS und Robeco scheuen vor hoher Bewertung der US-Titel zurück
Fondsmanager setzen auf Japan und Europa

Weil die Erholung der Weltkonjunktur bis vor wenigen Wochen in den USA stärker zu spüren war als anderswo, investierten die Manager der weltweit agierenden Fonds verstärkt in nordamerikanische Aktien. Das hat sich geändert: Obwohl die US-Wirtschaft weiter anzieht, ordern Fondsmanager wie DWS-Stratege Klaus Kaldemorgen und Mark Glazener von der niederländischen Fondsgesellschaft Robeco Group vermehrt in Europa und Asien.

HB/vwd FRANKFURT/M. Inzwischen seien Europa und Japan in dem Fonds Robeco N.V. sogar übergewichtet, der Anteil nordamerikanischer Papiere liege unter deren Anteil im Vergleichsindex MSCI World, sagt Glazener.

Noch deutlicher als der Robeco-Fonds orientiert sich der DWS Vermögensbildungsfonds I an europäischen und asiatischen Werten. „Wir haben Japan mit 15 % Anteil an unserem Fondsvermögen stark übergewichtet“, sagt Kaldemorgen, „aber auch in der Region Asien-Pazifik außerhalb Japans und in europäischen Ländern wie Deutschland und Frankreich ist unser Portfolio stärker gewichtet als die Benchmark.“

In der Tabelle der zehn größten weltweit anlegenden Aktienfonds rangiert der DWS Vermögensbildungsfonds I mit einem Zwölfmonatsverlust von rund 2,33 % per Ende Juli auf dem zweiten Platz. Der Robeco N.V. belegt mit einem Wertverlust von 9,94 % im gleichen Zeitraum den neunten Rang.

Deutet die Untergewichtung von US-Titeln eine geringere Wachstumserwartung für Nordamerika an? „Mitnichten“, betonen beide Fondsmanager unisono. Denn die jüngsten Daten weisen laut Glazener auf eine deutliche Belebung der US-Wirtschaft hin: „Die Lagerbestände sind niedrig, die Investitionen ziehen insbesondere im IT-Sektor wieder an, und die Verbraucherausgaben bleiben stabil.“

Aber auch in Europa und Japan zeigen nach Ansicht des Robeco-Experten die Konjunkturindikatoren nach oben. Anzeichen, dass die Wirtschaft die Talsohle durchschritten hat, mehren sich. „Wir investieren inzwischen verstärkt in diesen – bislang schlechter abschneidenden – Regionen“, erklärt Glazener, „weil die Märkte in Europa und Asien jetzt günstiger bewertet sind und sich die dortige Wirtschaft in einem Aufholprozess befindet.“

Ähnlich argumentiert Kaldemorgen: „Von der guten Konjunktur in den USA profitieren viele europäische oder asiatische Unternehmen stärker als die US-Firmen selbst.“ So komme vielen asiatischen Unternehmen dank ihrer Exportorientierung die anziehende US-Konjunktur besonders zugute.

Und Japan ist inzwischen aus seiner Lethargie erwacht: „Wir erleben dort eine dramatische Aufholjagd und eine Sonderkonjunktur“, sagt Kaldemorgen.

Die Untergewichtung von US-Aktien hat für DWS-Mann Kaldemorgen aber noch einen weiteren Grund: In dem Benchmark-Index, dem MSCI-World, seien die USA mit einem Anteil von weit über 50 % schlicht zu hoch gewichtet. „Damit ist eine Risikostreuung kaum noch möglich“, bemängelt der DWS-Experte. Europa dagegen sei deutlich unterrepräsentiert. „Absurd“ nennt er den Umstand, dass Deutschland als weltweit drittgrößte Wirtschaftsnation im MSCI-Index nur einen Anteil von rund 4 % ausmache. „In Deutschland finde ich viele attraktive Unternehmen, die im Vergleich zu ihren US-Wettbewerbern deutlich unterbewertet sind“, sagt Kaldemorgen.

Als Beispiel nennt er die Deutsche Post, den größten Einzelwert des DWS-Fonds. „Die Börsenbewertung liegt bei der Hälfte des US-Konkurrenten Fedex“, sagt der Fondsstratege, „da fällt es leicht, sich für diesen Wert zu entscheiden.“

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