Strategie
Inflation und Deflation: Die richtige Anlage

Zentralbanken und Wirtschaftswissenschaftler warnen derzeit vor der Gefahr einer Deflation. Entsprechende Gegenmaßnahmen könnten allerdings ein anderes Extrem verursachen - die Deflation. Für Anleger gilt es folglich nun, sich für beide Szenarien zu rüsten.

DÜSSELDORF. Frei übersetzt lautet der Titel eines Buches von Ben Bernanke: "Deflation: Dafür sorgen, dass es' nicht passiert". Der Präsident der US-Zentralbank steht mit seiner Angst vor einer Geldaufwertung nicht alleine da. Überall auf der Welt warnen Ökonomen vor einer Spirale sinkender Preise, zurückgehenden Konsums und sinkender Produktivität. Bernanke selbst hat bereits vor Jahren klar gemacht, dass er lieber aus der Luft Geldbündel auf die Straße werfen würde, als ein solches Szenario zuzulassen - was ihm unter anderem den Spitznamen "Helikopter Ben" eingebracht hat.

Doch so umfangreich die Maßnahmen der Geldpolitiker auch sind - kurzfristig scheinen Steuergeschenke, Hilfsprogramme und niedrige Leitzinsen kaum einen Einfluss auf den Geldwert zu haben. In der Eurozone kratzt die Teuerungsrate an der Null-Prozent- Linie und auch in den USA scheint eine Geldentwertung in weiter Ferne. Noch immer warnen einzelne Akteure vor einer Aufwertung des Geldes und raten Anlegern, ihre Investments entsprechend anzupassen.

Doch auf lange Sicht könnten die Geldpolitiker genau das Gegenteil erreichen: Eine Inflation, wie sie die westliche Welt lange nicht mehr gesehen hat. Selbst Wissenschaftler, die noch vor kurzem die exzessiv wachsende Geldmenge für richtig gehalten haben, rudern inzwischen zurück. So warnte Prof. Thomas Straubhaar, Chef des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts, vergangene Woche in einem Interview: "Im Herbst müsste die Notenbank das überschüssige Geld längst wieder einsammeln. Das ist bei über vier Mio. Arbeitslosen in Deutschland und einer Quote von zehn Prozent im Euro-Raum nicht durchsetzbar - und deswegen ist Inflation unvermeidlich."

Während Ökonomen wie Straubhaar für den Euro-Raum eine Inflationsrate von fünf und mehr Prozent voraussagen, gehen Andere noch weiter. Claus Vogt, Chefanalyst der Quirin Bank, sieht vor allem in den USA eine noch deutlich größere Geldentwertung: "Wenn Politiker und Notenbanker so weiter machen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der US-Dollar in zehn Jahren nur noch die Hälfte wert ist." Ebenso wie Straubhaar sieht er den einzigen Ausweg in unpopulären politischen Entscheidungen: "Alle Maßnahmen, um Staatsverschuldung zu begrenzen, wurden in der Krise in die Tonne geworfen. Nur durch eine schnelle Rückkehr zu einer restriktiveren Geldpolitik könnte eine starke Inflation noch verhindert werden."

In einer solchen Situation haben auch Anleger also ein ganz praktisches Problem. Während einerseits von der Inflation noch so gut wie nichts zu sehen ist, wird sie andererseits bereits von allen Seiten beschworen. Für die Depots bedeutet das: Was heute in Zeiten minimaler Preissteigerungen die beste Lösung ist, kann bereits morgen durch eine anziehende Inflation genau die falsche Taktik sein. Vermögensverwalter wie Alexander Seibold setzen deshalb zurzeit auf eine flexible Taktik.

"Im Moment rechnen wir mit einem erneuten Einbruch der Wirtschaft spätestens im vierten Quartal und setzen deshalb zurzeit auf Deflation", erklärt er. "Allerdings ist noch kaum etwas von dem vielen Geld der Zentralbanken in der Realwirtschaft angekommen. Sobald das der Fall ist und die Teuerung wieder anzieht, sollten Anleger ihre Depots schnell auf ein inflationäres Umfeld ausrichten."

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