Studie über Aktienfonds
Herdentrieb der Investoren

Fondsmanager verhalten sich sehr ähnlich, kaufen und verkaufen häufig die gleichen Titel. Das ist das Ergebnis einer Studie über Aktienfonds des Finanzwissenschaftlers Andreas Oehler. Der Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Bamberg sieht in diesem Herdenverhalten vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzmarktkrise eine besondere Gefahr.

FRANKFURT. Laut Oehler werden die Fonds zwar nicht illiquide wenn Anleger weiterhin so stark Gelder abziehen. Aber "die Manager müssen Positionen auflösen, was in der anfälligen Lage die Kurse und dann auch die Fondsanteilspreise noch stärker drückt."

Andere Fachleute erkennen ebenfalls die Gefahr einer solchen Negativspirale. "Besonders gefährdet sind jene Fonds, die populär sind, das heißt, eine gute Wertentwicklung hatten und dadurch viel neues Geld angezogen haben - aber dieses Geld wird dann auch schnell wieder abgezogen", sagt Christoph Bruns, Vorstand des unabhängigen Fondsanbieters Loys. Er erkennt Herdenverhalten auf beiden Seiten, sowohl bei den Fondsmanagern als auch bei den Anlegern.

Das Herdenverhalten wird aktuell durch die sehr hohen Mittelabzüge von Anlegern aus Aktienfonds brisant. "Wenn die gesamte Branche durch Mittelabzüge unter Druck gerät, schichten alle Manager in die gleiche Richtung um", sagt Oehler. Das Ergebnis seiner Studie ist eindeutig: "Etwa 80 bis 90 Prozent der Bewegungen in den Portfolios sind gleichgerichtet, sowohl nach Volumen und Titeln als auch in jedem geografischen Anlageschwerpunkt." Seiner Beobachtung nach verkaufen die Verwalter somit sehr ähnliche Titel. Die Gefahr einer Abwärtsspirale nehme mit der Enge eines Marktes zu, etwa bei einem Deutschlandfonds gegenüber einem europaweit anlegenden Produkten.

Besonders problematisch wird die Lage in Verbindung mit den Kursstürzen der vergangenen Monate und den seit langem geringen Barquoten in vielen Aktienfonds. "Diese Quoten liegen nur bei wenigen Prozent des Vermögens", schätzt Martin Stürner, Vorstand der PEH Wertpapier AG. "Es ist sicher schon so, dass wegen Anteilsrückgaben Verwalter Portfoliopositionen verkaufen müssen", glaubt er.

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