Studie von McKinsey belegt Erholung der Branche nach schweren Jahren – Gesellschaften bleiben aber unter Kostendruck
Atempause für Europas Fondsanbieter

Die Gewinne der europäischen Fondsgesellschaften sind nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey im vergangenen Jahr erstmals wieder kräftig gestiegen. In den drei Jahren davor war der Profit deutlich geschrumpft. 2004 dürften die Gewinne der Fondsanbieter allerdings wieder stagnieren, schätzt McKinsey.

FRANKFURT/M. „Ich befürchte, dass die Profitabilität 2004 nur unter großen Anstrengungen gesteigert wird“, sagt Martin Huber, der die Asset-Management-Beratung in Deutschland verantwortet.

Die Asset-Management-Studie der Unternehmensberatung ist ein wichtiger Indikator für die Lage der Vermögensverwalter. Denn bis zur Veröffentlichung des Papiers, das dem Handelsblatt bereits vorliegt, gibt es keine verlässlichen Daten über das Abschneiden der Branche im Jahr 2003, da die Mehrzahl der Fondshäuser keinen Veröffentlichungsvorschriften unterliegt. Die Unternehmen müssen ihre Zahlen also nicht preisgeben. Deshalb und auf Grund der aufwendigen Datenerhebung kann McKinsey die Studie für 2003 erst jetzt vorlegen. Demnach legte die Profitabilitätsmarge der Branche 2003 um 3,1 auf 12,7 Basispunkte, also 1,27 Prozent (ein Basispunkt = 0,01 Prozent) des verwalteten Vermögens, zu.

Die Fondshäuser haben schwierige Jahre hinter sich. Nach dem Ende des Booms an den Aktienmärkten sind die Anleger vorsichtig geworden und schauen genauer auf Wertentwicklung und Kosten. Den Gesellschaften flossen weniger Mittel zu, sie mussten zu einschneidenden Sparmaßnahmen greifen. Hinzu kam ein Skandal in den USA, der das Image der Branche belastete.

McKinsey befragte 112 europäische Gesellschaften, die gemeinsam 4 000 Mrd. Euro oder rund 60 Prozent des europäischen Fondsvermögens verwalten. Die Berater loben, dass die Gesellschaften die Kosten mittlerweile wieder besser im Griff haben. Nachdem sie in den vergangenen Jahren zwischen fünf und 13 Prozent gestiegen waren, blieben die Ausgaben 2003 praktisch auf Vorjahresniveau. Gleichzeitig legten die Einnahmen um elf Prozent zu, nachdem sie zuvor jahrelang geschrumpft waren.

Nichtsdestotrotz steht die Branche nach Ansicht von Huber vor großen Herausforderungen. Vor allem institutionelle Kunden wie Versicherungen oder Industrieunternehmen würden ihr Geld mittlerweile lieber spezialisierten Anbietern als Universalhäusern anvertrauen. „Auch einige der ganz großen Investmenthäuser werden dadurch richtig gefordert“, sagt Huber. Der Trend begünstige kleinere, spezialisierte Adressen. Dagegen hätten es all jene schwer, die über ein breites Angebot verfügen, aber in den einzelnen Anlageklassen nur mittelmäßige Leistung bringen.

Vertreter der größten Fondshäuser stützten die These. „Die großen Generalisten werden Marktanteile an unabhängige Spezialisten, etwa für die Anlage in Emerging Markets, verlieren“, sagt Alan Brown, Chef der über 1 000 Mrd. Dollar schweren State Street Global Advisors. Ähnlich denkt Klaus Mössle, der für Fidelity Investments institutionelle Kunden im deutschsprachigen Raum betreut. „Alle ohne klaren Schwerpunkt geraten unter Druck: entweder auf der Kostenseite durch die Anbieter von billigen Indexprodukten oder bei den aktiven Managern durch die hier erfolgreichen.“

Nach Ansicht von Huber ist die Umstrukturierung voll im Gange. „Großbritannien ist hier schon weit fortgeschritten. Aber auch in Deutschland sind die Gesellschaften mittlerweile willens, einzelne Anlageklassen auszulagern“, sagt er. In Deutschland ist die Spezialisierung noch wenig fortgeschritten. Die Mehrzahl der Gesellschaften bedient zumindest die gesamte europäische Palette. Mittlerweile splitten aber immer mehr Institutionelle ihr Portfolio. Das Gros der Mittel steckt in den wichtigsten Anlageformen, etwa in europäischen Standardwerten. Es wird teilweise auf Indexbasis verwaltet. Das heißt, das Depot spiegelt die Zusammensetzung eines Index wider. Ein kleinerer Teil wird mit der Hoffnung auf Mehrrendite einem aktiven Manager überlassen.

Ein weiteres Problem machen die McKinsey-Berater bei der Entlohnung der Fondsmanager aus. Die Gesellschaften locken ihre guten Manager mit hohen Gehältern, um sie zu halten. Das könnte auch die deutschen Anbieter belasten. Im Moment stehen sie besser da als die europäische Konkurrenz: Da die Sparmaßnahmen erst später begonnen haben, schlagen die Erfolge auch 2004 noch durch, erwartet Huber. Bei den Wettbewerbern ist dieser Effekt schon verpufft. Die Ertragsmarge, die 2003 bei den deutschen Häusern um fünf auf zwölf Basispunkte gestiegen ist, dürfte nach Ansicht von Huber 2004 erneut rund 15 Basispunkte nach oben gehen.

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