Studie von XTP Transaction Partners
Krise treibt Kosten im Depot nach oben

In Krisenzeiten an den Börsen werden Wertpapierverkäufe teuer. Das belegt eine empirische Studie von XTP Transaction Partners. Wichtigste Ursache für die steigenden Kosten im Depot sind demzufolge nicht die bekannten und offen ausgewiesenen Kostenposten für Broker und Depotbank, sondern die unsichtbaren. Es geht um den sogenannten Markteinfluss, der die Transaktionskosten treibt und damit die Rendite mindert.

FRANKFURT. "Wer Liquidität braucht, der ist eher im Nachteil", sagt Lutz Johanning, Partner bei XTP und Professor für Asset-Management an der European Business School in Oestrich-Winkel.

Wichtigste Ursache für die steigenden Kosten im Depot sind nicht die bekannten und offen ausgewiesenen Kostenposten für Broker und Depotbank, sondern die unsichtbaren. Es geht um den sogenannten Markteinfluss, der die Transaktionskosten treibt und damit die Rendite mindert: Wenn der Verwalter eine Order erteilt, beeinflusst dieser Auftrag den Kurs am Markt. Der Auftrag wird wegen des Zeitverzuges kaum zu dem bei der Auftragserteilung aktuellen Kurs ausgeführt. Mit steigendem Ordervolumen steigt außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass der Auftrag zeitlich gestreckt werden muss.

Johanning hat errechnet, dass dieser Effekt im Krisenmonat Januar besonders ausgeprägt war. Zu der Zeit standen die Aktienbörsen unter starkem Druck. Während in den drei untersuchten Monaten der Markteinfluss bei Standardwerten im Dezember durchschnittlich 0,17 Prozent des Ordervolumens ausmachte, stiegen diese unsichtbaren Kosten im Januar auf rund 0,35 Prozent und damit auf etwa das Doppelte. Die Gesamtkosten inklusive der offen ausgewiesenen Gebühren für Broker und Depotbank erreichten im Dezember bei Verkäufen knapp 0,39 Prozent, schnellten dann im Januar auf fast 0,56 Prozent nach oben.

Fondsverwalter waren in der Stresslage zu Jahresbeginn dann zum Handeln gezwungen, wenn sie Anteilsrückgaben ihrer Anleger bedienen und dazu Bestände auflösen mussten. "Wenn alle durch das Nadelöhr wollen, steigt der Markteinfluss", meint Wolfgang Leoni, in der Geschäftsführung der Oppenheim Kapitalanlagegesellschaft verantwortlich für Aktienportfolios. Der Zwangsabbau von Positionen kann heute schneller ein Thema werden, weil die Verwalter im Gegensatz zu früher tendenziell in höherem Maße investiert, die Cashquoten demnach für eine eventuell notwendige Bedienung von Anteilsrückgaben geringer sind.

Darüber hinaus treiben Strategieänderungen die Kosten. "Gerade in Krisen ändern Verwalter ihre Strategie, das wird teuer", sagt Johanning. Auch Alexander Kempf, Leiter des Centre for Financial Research an der Universität Köln, erkennt: "In volatilen Zeiten will man das Portfolio anpassen, beispielsweise um Bankenpositionen zu senken." Die längerfristigen Ergebnisse solcher Aktionen sind schwer abzuschätzen. Nach einhelliger Ansicht der Wissenschaftler lässt sich erst im Nachhinein feststellen, ob sich teure Transaktionen gelohnt haben. "Wer rechtzeitig aus Lehman-Aktien herausgegangen ist, der hat ein gutes Geschäft gemacht", sagt Kempf.

Eine Eskalation der Krise kann Emotionen schüren. "Je mehr die Angst umgeht, umso weniger achtet man auf Transaktionskosten", sagt Kempf. Wenn die Nervenkostüme der Verwalter stärker belastet werden, forciert die Psychologie eine Eigendynamik. "Bei Herdenverhalten kann der Markteinfluss durchaus zwei bis drei Prozent erreichen", sagt Johanning, angesprochen auf die mögliche Entwicklung bei sehr starken Börsenrückschlägen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%