Subprime-Krise
Hohe Volatilität trifft Zertifikate

Die Turbulenzen an den Börsen machen auch vor dem Zertifikate-Markt nicht Halt. Zum Teil sind die Kurse der synthetischen Papiere sogar deutlich stärker abgerutscht als die Basiswerte - meist Aktien oder Indizes -, auf die sie sich beziehen. Andere Zertifikate haben durch die Rückschläge ihren Sicherheitspuffer verloren, der für viele Anleger als Kaufargument dient.

FRANKFURT. Letzteres gilt vor allem für Bonuszertifikate, auf die gut ein Fünftel des rund 135 Mrd. Euro schweren Marktes entfällt. Die Papiere bieten Anlegern zum Laufzeitende eine fixe Mindestrendite, sofern der Kurs des Basiswertes nie unter eine Schutzschwelle fällt. Wird die Barriere jedoch unterschritten, verfällt der Anspruch auf den Bonus und das Zertifikat bildet eins zu eins die Entwicklung des Basiswertes ab.

Da die Schutzschwellen der meisten Bonuszertifikate mindestens 15 bis 20 Prozent unter dem Ausgabekurs liegen, ist die Zahl der Papiere, die ihre Barriere verletzt haben, bisher gering. Banker schätzen den Anteil auf weniger als fünf Prozent der ausstehenden Bonuszertifikate. Betroffen sind vor allem Titel auf Einzelaktien, da diese meist stärker schwanken als Aktienindizes. Sollte sich die Korrektur an den Börsen fortsetzen, droht aber auch Papieren auf Indizes ein "Schwellenereignis". So haben zahlreiche Bonuszertifikate auf den Dax Barrieren im Bereich zwischen 6 500 und 7 000 Punkten.

Anleger sollten daher die Kursentwicklung genau verfolgen - und notfalls aussteigen: "Wer das Risiko einer Aktienanlage scheut, sollte Bonuszertifikate verkaufen, wenn der Kurs zu nah an die Barriere kommt ", rät Holger Bosse, Derivate-Experte der Deutschen Bank.

Anlegern, die ihre Zertifikate während der Laufzeit verkaufen wollen, drohen aber Überraschungen. Zum Teil gehen die Kursausschläge der Derivate deutlich über die Bewegung des jeweiligen Basiswertes hinaus. Ursächlich hierfür ist zurzeit vor allem die deutlich gestiegene Volatilität am Aktienmarkt, also das Aufmaß der Kursschwankungen. Die Volatilität, die an der Deutschen Börse etwa durch den VDax new abgebildet wird, hat starken Einfluss auf den Preis der Optionen, aus denen Zertifikate zusammengebaut werden - und damit auch auf die Kurse der Papiere selbst.

Wie die Papiere im einzelnen reagieren, hängt von ihrer Konstruktion ab. "Entscheidend ist, ob der Anleger Volatilität kauft oder verkauft", erklärt Bosse. Outperformance-Zertifikate etwa enthalten eine Kaufoption (Call), deren Wert mit der Volatilität steigt. Entsprechen treiben stärkere Ausschläge an der Börse auch die Kurse der Zertifikate. Das Gros der Papiere in deutschen Depots reagiert aber in die Gegenrichtung: Beim Discountzertifikat verkauft der Anleger indirekt eine Call-Option. Entsprechend wirkt sich eine höhere Volatilität Kurs mindernd aus.

Ähnlich ist das Bild bei Bonuszertifikaten. Hier steigt mit stärkeren Schwankungen die Wahrscheinlichkeit, dass die Barriere durchbrochen wird, was auf den Preis einer eingebauten Verkaufs-Option drückt. Verstärkt wird der negative Effekt noch bei Capped-Bonuspapieren, bei denen der Maximalgewinn gedeckelt ist. "Hier wird eine zusätzliche Call-Option verkauft, weshalb die Papiere gleich doppelt leiden", sagt Sebastian Bleser, Derivate-Fachmann der Société Générale. "Dabei ist der Effekt umso stärker, je länger die Restlaufzeit des Papiers ist und je mehr sich der Basiswert seiner Sicherheitsschwelle nähert", fügt er hinzu.

So negativ die Volatilitäts-Zunahme für bestehende Zertifikate-Engagements ist, so positiv ist sie für Neuanlagen. Zum einen gibt es ältere Papiere jetzt deutlich günstiger. Zum anderen kommt die Entwicklung auch Käufern neu aufgelegter Produkte zugute: "Die Ausstattung neuer Bonus- und Discountzertifikate ist im Moment sehr attraktiv. Für Anleger, die mittelfristig eine positive Börsenentwicklung erwarten, ist jetzt ein sehr guter Einstiegszeitpunkt."

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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