Tim Albrecht im Interview: „Dax 9.000 – warum nicht?“

Tim Albrecht im Interview
„Dax 9.000 – warum nicht?“

An der Börse geht gerade wieder das Zittern los. Tim Albrecht lässt sich davon nicht beeindrucken. Im Interview erklärt der Fondsmanager, warum er jetzt deutsche Aktien kauft – und wann der Zeitpunkt zum Verkaufen kommt.
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Herr Albrecht, Sie sind gerade als bester Fondsmanager für deutsche Aktien ausgezeichnet worden. Was machen Sie besser als andere?
Wir haben es geschafft, große Fehler zu vermeiden und haben konsequent an unserer Strategie festgehalten.

Worauf schauen Sie, wenn Sie eine Aktie auswählen?

Wir gehen klassisch die Bilanz durch - Cashflow, Verschuldung, immaterielle Vermögenswerte. Da fällt schnell auf, wenn etwas faul ist. Zudem achten wir bei Unternehmen auf ein interessantes Wachstumsprofil und eine attraktive Bewertung.

Die größten Positionen in ihrem Fonds sind BASF, Bayer, SAP und Allianz – allesamt Schwergewichte im Dax. Auf die kommt doch jeder Anleger.

Die meisten Anleger haben nur zwei, drei Aktien im Depot; eine davon ist vielleicht noch die T-Aktie, die man mal für 80 Euro gekauft hat und jetzt nicht mit riesigem Verlust verkaufen will. Wir können viel breiter streuen und handeln emotionsloser. Wenn eine Aktie nur Verluste bringt, dann haben wir kein Problem damit, sie zu verkaufen.

Wieso sollte man nicht gleich einen Indexfonds kaufen – da sind gar keine Emotionen im Spiel?

Ich glaube daran, dass aktives Management überlegen ist. Natürlich kommt es darauf an, dass man den richtigen Fonds erwischt. Ich habe den DWS Deutschland im Juli 2002 übernommen – seitdem hat er rund 160 Prozent zugelegt, inklusive aller Managementgebühren. Mit einem Indexfonds auf den Dax hätten Sie „nur“ 80 Prozent gewonnen.

Der DWS Deutschland ist inzwischen mehr als drei Milliarden schwer. Finden Sie überhaupt noch genug gute Aktien, in die Sie das Geld stecken können?

Doch, doch. Da gibt es noch genug Möglichkeiten. Natürlich spielt es eine Rolle, dass der Fonds heute zehnmal größer ist als vor zehn Jahren. Wir legen das Geld anders an. Statt vor Quartalszahlen noch schnell zu handeln, ist jetzt mehr Kaufen und Halten angesagt.

Wie sieht denn Ihre Strategie aus?

Wir setzen auf Unternehmen, die ein klares Geschäftsmodell haben, global aufgestellt sind und viel in die Schwellenländer exportieren. Umgekehrt investieren wir wenig in Unternehmen, die nur in Europa beheimatet sind, etwa Telekomaktien oder Versorger. Das hat sich als goldrichtig erwiesen.

Kommentare zu " Tim Albrecht im Interview: „Dax 9.000 – warum nicht?“"

Alle Kommentare
  • Nur 9000?
    Ich denke da eher an DAX 18000 oder auch an DAX 2200 wie im Jahre 2001.
    Wenn einer in einem Wirtschaftsblatt in der größten Währungs- und Wirtschaftskrise Europas solche unqualifizierten Äußerungen macht, muß ich an zweierlei zweifeln:
    1.An seinen lauteren Absichten
    2.Am Habla, das immer wieder solchen Leuten als Sprachrohr dient.

  • Immerhin wurde Trappatoni noch portugiesischer und österreichischer Meister mit Benfica und RB Salzburg. Mit Irland ist es natürlich schwer einen Titel zu holen : )
    Auf jeden Fall hat er Charakter und sagt seine Meinung. Das erlaube ich mir hier auch: Der DWS Deutschland hat seine Benchmark um Längen seit Juli 2002 (also seit ich ihn manage) geschlagen: +160% DWS Deutschland gegen +85% CDAX. Dabei ist die Managementgebühr bereits berücksichtigt, der Ausgabeaufschlag nicht. Kritisieren könnte man meiner Meinung nach lediglich die höhere Vola des Fonds im Vergleich zum CDAX. Diese lässt sich durch den oftmals höheren Investitionsgrad und die höhere Nebenwertequote erklären. Bei der Performanceberechnung sollte man gar nichts bereinigen, den es handelt sich um bewusste Entscheidungen des aktiven Portfoliomanagers unter Unsicherheit. Im Nachhinein kann jeder sagen, dass er es auch so gemacht hätte...

  • Pt2 Bei naeherem Hinschauen sehe ich dass sie ihren Anfangsvorsprung per 2007 fast aufgebraucht hatten und der Hauptteil der OP idJ seit 2008(bis auf 2011) entstanden sind- insofern sind sie auch noch kein $weighted return Loser. Ich denke man kann davon ausgehen dass sie Aktivfondsueblich in den Down Jahren ueber eine hoehere Kassequote (bewusst, hoehere redemption Vorhaltung sowie ggf. Abbau von Financials?) outperformed haben.
    In den Up Jahren zu OP ist m.E. eine groessere und tolle Leistung, allerdings gehe ich hier davon aus dass sie neben der own what rises-Selektion zu einem guten Teil davon profitiert haben dass sie auch viel (derzeit ja 25%) Midcaps haben durften und dass sie via Futures ueber 100% hinaus (derzeit ja net 110%) long gehen durften.
    Deswegen bin ich der Meinung dass sie a)den Leverage Effekt ueber 100% long herausrechnen muessten und b)den MDAX hoeher in ihrer Benchmark beruecksichtigen muessten- wir wissen ja alle dass CDAX und HDAX diesbzgl. nicht nur den dort ja signifikanten NichtStreubesitz rauslassen sondern auch via niedrigem Grundkapital berechnet werden- aber wahrscheinlich machen sie das ja eh bald, vorm naechsten Downturn wenn es hilft...
    Hoehere Zwischengewinne und resp. Steuern darauf sowie uebliche Branchentricks wie z.B. in einem anderen Fonds die entgegengesetzte Timingstrategie zu fahren und diesen dann leise einzustampfen habe ich nicht weiter researched.
    Problematischer scheint mir zu sein dass sie jetzt entweder zum Closet Indexer werden (muessen) oder, auch i.A. ihrer hier dargelegten Hybris, die eingesammelten Mehr$ wie die meisten ehemaligen aktiven OP/Stars iLdZ wohl vernichten werden.
    Ich wuensche ihnen und ihren Anlegern aber natuerlich das die teuersten Worte der englischen Sprache- this time it's different- in ihrem Fall doch zutreffen.
    Allerdings hat auch Herr Trappatoni nach seinem Wutausbruch praktisch nichts mehr gewonnen...

  • Ganz schoen duennhaeutig fuer einen Profi Herr A.
    Frueher war das natuerlich angenehmer, die Werbebotschaften der Branche wurden unkritisch verbreitet und aufgenommen, heute weiss der ein oder andere Unabhaengige mit Branchenerfahrung halt schon mal etwas besser Bescheid und da er nunmehr dazu auch in der Lage ist, fuehlt er sich manchmal dann genoetigt jene zu hinterfragen und zu kommentieren- Meinungsfreiheit statt Propaganda nennt man so etwas wo ich lebe.
    Ich habe mir nicht alle Beitrage genau durchgelesen, aber wenn sie die unqualifizierte Banken und Bankerschelte und die Vorhersagen der Aktienignoranten Ernst nehmen tun sie mir Leid- ebenso wenn sie an ihre Eigenen glauben und diese statt Kapitel 8 zum Massstab ihres Handelns machen...
    Das sie sich ueber die neueste Affenstudie ebenso wie wahrscheinlich ueber die alt bekannte Dart Werfende aufregen (muessen) ist klar, dass sie sie jedoch persoenlich nehmen und mit persoenlichen Verunglimpfungen erwidern deutet eher auf deren Unkenntnis hin- und beides ist bedenklich.
    Ehrlich gesagt finde ich es auch nicht korrekt dass sie deutsche Einzelaktien in ihrem Privatdepot haben, in anderen Laendern waere dies undenkbar, da waeren sie diesbzgl. auf ein Investment in ihren Fond beschraenkt.
    Das sich bei ihnen noch keiner beschwert hat besagt m.E. aufgrund der verbreiteten Unkenntnis der meisten Anleger idS (vielleicht 10% wissen was der Unterschied zwischen relativer und absoluter Performance ist...) nicht viel, ich moechte an dieser Stelle aber auch ausdruecklich darauf hinweisen dass a) aktive Fondsmanager einen sehr schweren Job haben(losers game, esp. post tax and cost) und b) sie persoenlich diesen offensichtlich sehr gut gemacht haben.
    Dennoch muss es erlaubt sein zu fragen wann und wie sie ihre Outperformance generiert haben und ob die Wahl der Benchmark fuer ihre Vorgehensweise angemessen ist.
    Dazu gleich mehr...

  • DAX 9000? Schon möglich, fragt sich nur wann und was für Kurse wir vorher noch sehen werden. Im Moment siehts eher nach ner ausgedehnten Korrektur aus, es sei denn der DAX lässt sich vom DOW auf 7950+ ziehen, dann bestehen realistische Chancen auf ein neues ATH - ob das dann nachhaltig wäre ist eine andere Frage. Kaufkurse sind das derzeit sowieso nicht, da muss noch einiges runter vom Tacho.

  • Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich hart erarbeiten. Eigentlich fehlen an dieser Stelle nur noch Waldorf & Statler aus der Muppet Show, die sich über mich und den DWS Deutschland beschweren. Nur noch mal kurz für einige Kritiker zur Erinnerung - ich investiere das Geld meiner Anleger, indem ich Aktien von deutschen Unternehmen kaufe. Somit stellen wir den Firmen Eigenkapital langfristig zur Verfügung. Den Vergleich mit Verbrechern oder Affen finde ich schon ziemlich unter der Gürtellinie. Aber ein Teil meines Gehaltes scheint wirklich Schmerzensgeld zu sein. Die Entwicklung des Fonds über alle Zeiträume ist wirklich aussergewöhnlich gut, diesen Preis habe ich nicht im Lotto gewonnen. Und im Interview weise ich ausdrücklich auf Chancen und Risiken am Aktienmarkt hin. Ich muss hier niemandem etwas beweisen oder verkaufen. Wenn ich nicht an höhere Kurse glauben würde, dann hätte ich privat nicht so viele deutsche Aktien im Depot. Bei mir hat sich noch kein Anleger über den DWS Deutschland beschwert. Frei nach Giovanni Trapattoni: "Was erlaube Kommentatoren ? Ich habe fertig !"

  • Ich kann diese Fokussierung auf das KGV nicht nachvollziehen. Tatsache ist ja wohl, dass die Bilanzierung der Konzerne umgestellt wurde, von HGB (vorsichtig) zu IFRS (mit prognostizierten Gewinnen!) und allein durch diese Änderung steigen die nominalen Gewinne. Erinnert sei nur daran, dass z.B. Daimler in seiner US-GAAP Eröffnungsbilanz einen doppelt so hohen Gewinn auswies wie in der gleichzeitigen HGB-Bilanz, die Bewertung machts, nicht die realen Zahlen!
    Deshalb ist ein heutiges KGV von 12 nach IFRS wohl eher eins von 15 - 18 nach HGB.
    Der Vergleich mit alten Werten bringt also nichts, wenn diese Zahlen völlig anders ermittelt wurden.
    Und wenn das einem gut bezahlten Fonds-Manager nicht klar ist, dann muss man sich schon fragen, ob er sein Geld wert ist und seine Outperformance, so wie es die These vom effizienten Markt postuliert (die auch bewiesen hat, dass aktive Fonds im Durchschnitt schlechter abschneiden als Indexfonds) eben nichts anderes als Zufall ist, der sich über einen längeren Zeitraum in nichts auflöst.

  • @Investmentlegende etc.
    Grundsaetzlich teile ich ihre Skepsis, allerdings scheint mir hier ein anderer Ansatz angebrachter. Dass der entsprechende Fond ueber den genannten festen Zeitraum den DAX outperformed hat stimmt wohl und daran ist nicht zu ruetteln. Zu erfragen bleibt jedoch warum genau, und hier gibt es wohl zwei Gruende und bewusste Fehlleitungen des Managers: erstens wird er wohl anfangs mal gut getimed, d.h. ueber eine hohe Kassequote im Downturn von Juli 2002 bis Maerz 2003 primaer diese OP hingekriegt haben(was auch kennzeichnend fuer einen wahrscheinlich schwachen $weighted return ist und was ab Maerz 2003 wohl zu einem ganz anderen Vergleichsbild in der 10J Performance etc. fuehremn wird!), und zweitens kann man natuerlich nicht den DAX als seine Benchmark nehmen wenn man auch in die wesentlich besser performenden Nebenwerte investieren darf. Und der MDAX hat im Vergleichszeitraum natuerlich noch wesentlich besser abgeschnitten als sein Fond da er von 4000 auf 13000 gestiegen und ueber 200% zugelegt hat!
    Die Fondsbranche beherrscht es halt wie keine andere Aepfel mit Birnen zu vergleichen um so ihre ungerechtfertigte Existenz zu verteidigen.
    Und da sie der groesste Werbekunde der Finanzmedien ist sind diese natuerlich gerne als Erfuellungsgehilfen fuer diese bewussten Fehlinformationen taetig.
    Oh, und die DWS war auch lange Zeit der groesste institutionelle Investor bei Solarworld....soviel dazu.

  • @Insider
    da die Unternehmensgewinne beim Performance-Index Dax reinverstiert werden ist es aus ökonomischer Sicht logisch, dass er mittelfristig steigen wird. Apropos 8.000 Punkte - diese sagen mE nach wenig aus. Viel entscheidender ist das KGV, dass sich zugegebener Weise nach Übertreibungen seinem langjahrigen Mittelwert von ca. 15 annäherd. Aktuell liegen wir 20% darunter (und nicht darüber), d.h. der Dax hätte bis zum Durchschnitt 25% Potential. Des Weiteren fehlen die wirklichen Alterativen, da nach der fast 30-jährige Anleihenhausse einem Zinssatz (entsprechend reziproken KGV mit teilweise über 70!) offeriert wird, der nach unten wenig Potenzial bietet. Steigen die Zinsen so erfahren Anleiheinvestoren empfindliche Kursverluste.
    Was nun Herr Insider? Lassen Sie mich an Ihren Alternativen teilhaben. Vielen Dank.

  • Sei es wie es sei,nur Uneingeweihte oder Anfänger springen bei um 8000 noch auf den fahrenden Zug.Auch sein Vergleich mit einer BASF oder Bayer hinkt.Ja,sie sind super gelaufen,haben sich verdoppelt oder mehr...aber das ist ja auch der Haken an der Sache...zu gut... .

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