Transparenz
Kostenkontrolle bei Fonds: ETFs im Vorteil

Die „Total Expense Ratio“ soll bei Investments die Kosten transparent machen. Das funktioniert bei ETFs besser als bei aktiv gemanagten Fonds, wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt. Anleger sollten besonders beachten, dass der Teilbegriff „total“ nicht unbedingt wörtlich zu nehmen ist.

Die in den Prospekten der Fondsgesellschaften ausgewiesenen jährlichen Verwaltungsgebühren bilden nur die Spitze des Eisberg bei den gesamten Kosten von Anlagefonds.

Die so genannte Total Expense Ratio (TER) – zu Deutsch „Gesamtkostenquote“ – ist eine der wohl irreführendsten Bezeichnungen in der Fondswelt. Denn anders, als ihr Name explizit sagt, enthält sie bei fast allen Investmentfonds bei weitem nicht die gesamten Kosten, die auf den Anleger zukommen. Der wohl größte Kostenblock, der unter den Tisch fällt, sind die Handelskosten. Sie fallen jedes Mal an, wenn der Fonds eine Position in seinem Portfolio ändert.

„Wie hoch diese Handelskosten sind, ist vielen Anlegern nicht wirklich bewusst“, sagt Alexander Etterer, Leiter Controlling und Finanzen beim Vermögensverwalter Rödl & Partner in Köln. „Wenn das Portfolio häufig umgeschichtet wird, können sie gut und gerne noch einmal so viel kosten wie die TER.“

Das würde bedeuten, dass ein durchschnittlicher Aktienfonds durchaus Gesamtkosten von drei Prozent pro Jahr verursacht, wenn er sein Portfolio einigermaßen häufig umbaut. Transaktionskosten werden vom Fondsvermögen abgezogen und belasten damit die Performance, also die Wertentwicklung des Fonds. Bei passiven Indexfonds beträgt die ausgewiesene Gesamtkostenquote meist 0,15 bis 0,2 Prozent pro Jahr.Und anders als bei aktiv gemanagten Fonds kommen darüber hinaus auch kaum weitere Kosten auf den Anleger zu.

Kaum weitere Kosten

Einfach strukturierte Indexfonds sind aufgrund ihrer Konstruktion bei den Handelskosten günstiger. Und anders als bei aktiv gemanagten Fonds kommen darüber hinaus auch kaum weitere Kosten auf den Anleger zu.

„Bei ETFs auf einfache und bekannte Indizes entstehen die einzigen Kosten außerhalb der TER, wenn der Index umgebaut wird oder Dividenden gemanagt werden müssen“, sagt Vermögens- Controller Etterer. „Das macht bei den großen Produkten vielleicht ein oder zwei Prozent der Gesamtkosten aus – die restlichen 98 bis 99 Prozent sind bereits in der ausgewiesenen Gesamtkostenquote enthalten.“

Trotzdem bedeutet das für Anleger nicht, dass sie automatisch auf völlige Kostentransparenz vertrauen können, sobald auf einem Produkt „ETF“ steht. Denn auch in dieser beliebten Produktklasse entstehen zunehmend kompliziertere – und damit teurere – Spezialkonstruktionen. Beispiele dafür sind Strategie-Indizes, die auf exotische Märkte oder Branchen setzen, aber auch Konstruktionen, die etwa durch regelbasierte Umschichtungen zwischen einzelnen Anlageklassen eine Art passive Vermögensverwaltung darstellen wollen. „Viele ETF-Konstruktionen sind inzwischen sehr aufwendig“, sagt Werner Hedrich, Leiter Fondsresearch bei Morningstar. „Und je aufwendiger ein regelbasierter Ansatz ist, desto höher sind naturgemäß die Kosten.“ Unsicher wird die TER zur Kostenkontrolle auch bei ETFs dann, wenn das Portfolio häufig umgestellt wird.

Wer auf relativ komplizierte Strategieprodukte setzen möchte, sollte deshalb vor dem Kauf zweierlei beachten: Nach welchen Regeln und in welchem Umfang kann das Portfolio eventuell umgebaut werden? Und: Welchen Vergleichsindex möchte ich schlagen und ist das meinem Wunschprodukt in den vergangenen Jahren gelungen?

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