Trotz Fortschritte ist das Ziel noch weit
Umbau in der Fonds-Branche kommt voran

Die deutsche Fondsbranche macht Fortschritte auf dem nötigen – aber steinigen – Weg der Umstrukturierung. In der jüngsten Zeit mehren sich die positiven Signale: Öffnung für innovative Produktgruppen wie Alternative Anlagen, Ausrichtung auf eigene Stärken im Portfoliomanagement, Konzentration auf reines Management oder administrative Tätigkeiten im Bereich Fondsbuchhaltung.

Bei der internen Neuausrichtung suchen einige Gesellschaften jetzt auch demonstrativ den Schulterschluss mit konkurrierenden Häusern aus dem Ausland. Manche Anbieter denken im Publikumsfondsbereich außerdem über Rationalisierungen und Produktschließungen in einem früher für undenkbar gehaltenen Ausmaß nach.

Trotz aller Fortschritte ist die Branche noch vom Ziel entfernt: der Schaffung effizienter „industrieller“ Strukturen, wie man sie beispielsweise aus der Autobranche kennt. Übertragen auf den Finanzsektor sind die wichtigsten Elemente Arbeitsteilung und Unabhängigkeit. Die künftige Arbeitsteilung deutet sich bereits an.

Unabhängigkeit verlangt im Interesse des Anlegers das Ausschalten potenzieller Interessenkonflikte im Verbund von Asset-Manager, Depotbank und Broker, die im klassisch deutschen System zum gleichen Konzern gehören. Darauf abzielende „Corporate-Governance“- Leitlinien für Asset-Management- Gesellschaften werden in diesem Jahr auf nationaler und europäischer Ebene diskutiert. Zu den Kernpunkten gehört die Einsetzung unabhängiger Vertreter in den Aufsichtsräten und -gremien. Erst in der vergangenen Woche stellte eine Expertengruppe um den Finanzprofessor Wolfgang Gerke einen entsprechenden Kodex vor.

Der deutsche Fondsverband BVI verabschiedete bereits im vergangenen Jahr Verhaltensrichtlinien, die auch von allen Mitgliedern akzeptiert wurden. Sie zielen weniger auf Corporate-Governance-Fragen, sondern formulieren einen Standard für den verantwortungsvollen Umgang mit dem Kapital und den Rechten der Anleger, beispielsweise durch eine weitgehende Veröffentlichungspflicht von Fondsgebühren. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) will die Einhaltung dieser – freiwilligen – Kodizes nach Abschluss aller Diskussionen für jene Gesellschaften für verbindlich erklären, die sich ihnen unterwerfen.

Experten werten die Initiativen als wegweisend. Gleichzeitig jedoch warnen Fachleute vor einer Überregulierung der Branche. Sie spüren jetzt schon Standortnachteile gegenüber konkurrierenden Fondsdomizilen wie Luxemburg durch sehr restriktive aufsichtsrechtliche Vorgaben. Es bleibt abzuwarten, inwieweit beispielsweise die anstehende Überarbeitung des vor über einem Jahr in Kraft getretenen Investmentgesetzes zu Erleichterungen führen kann. Grundsätzlich wurde das neue Rahmenwerk von der Branche begrüßt, weil es beispielsweise Hedge-Fonds zulässt und grundsätzlich mehr Freiheiten beim Einsatz von Derivaten gewährt. Dadurch verwischen die Grenzen zwischen Investmentfonds und Hedge-Fonds.

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