Trotz geschlossener Börse in Athen
Wie die Zocker in Griechenland zulangen

Genau wie die Banken in Griechenland bleibt auch die Athener Börse seit Tagen geschlossen. Doch das hält Spekulanten nicht davon ab, weiter auf hellenische Aktien zu wetten. Ihr Trick: Ein Fonds aus den USA.
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Wenn die Börse geschlossen bleibt, ruht der Aktienhandel. So sollte man meinen. Doch verwegene Anleger finden scheinbar immer eine Möglichkeit, auf Bulle und Bär zu setzen. So auch in Griechenland, das um einen Finanzkollaps zu verhindern Börse und Banken geschlossen hält. In dieser Phase größter politischer Unsicherheit sucht der ein oder andere Spekulant dennoch ein Investment dort - und wird fündig. Über den Umweg eines Fonds.

Allein in den letzten vier Tagen wurde der Global X FTSE Greece 20 ETF in einem Volumen von 15,9 Millionen Stück gehandelt. Vor allem Amerikaner griffen zu. Nach einem gewaltigen Absturz um 19 Prozent am Montag, konnte er in den letzten Tagen schon wieder die Hälfte der verlorenen Punkte gut machen. Scheinbar setzt der ein oder andere Börsianer am Aktienmarkt auf eine Einigung im griechischen Schuldenstreit.

Ein baugleicher Fonds, der aber in Europa gelistet ist, wurde für diese Woche allerdings aus dem Handel genommen. So ist die US-Version nun die einzige Möglichkeit für Anleger, auf griechische Aktien zu setzen, nachdem die Behörden die Athene Börsen vorübergehend schlossen.

Mit den wenigen seiner Basisaktien, die noch gehandelt werden, hat der ETF nun die Rollen gewechselt: Von einem gewöhnlichen Fonds mit der Funktion, griechische Aktien abzubilden, zu einem spekulativen Werkzeug, um vorherzusagen, wo die Kurse letztlich stehen werden. „Der Fonds tut das, was er soll: Während die Bären hedgen können, haben die Bullen die Möglichkeit voll mitzugehen", sagt Eric Mustin, von WallachBeth Capital.

„Dadurch, das Griechenland faktisch verriegelt ist, ist es schon für die Märkte, dass es immer noch einige Zugänge gibt“, sagt Mustin. „Gerade gibt es unheimlich viele Stimmen, es herrscht kein echte Konsens darüber, ob die griechische Börse ihre Pforten öffnet. Klienten, die einen internationalen Fokus haben oder sich auf Emerging Markets spezialisieren, haben auf GREK gelugt, um ihre eigene Meinung kundzutun.“ GREK ist das Tickersymbol des US-amerikanischen ETFs.

Vergangene Woche hatte Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras die Öffentlichkeit mit der plötzlichen Ankündigung eines Referendums überrascht. Seit dem sind die Verhandlungen zwischen der hellenischen Regierung und den Institutionen - die ehemalige Troika, bestehend aus EU-Komission, europäischer Zentralbank und internationalem Währungsfonds - auf Eis gelegt. Am Sonntag soll das griechische Volk nun entscheiden, ob es die Reformprogramme der Gläubiger ablehnt oder ihnen zustimmt.

Am Montagmorgen hatte die griechische Regierung Kapitalverkehrskontrollen erlassen. Damit das Finanzsystem des Landes nicht kollabiert, bleiben seitdem die Banken im Lande geschlossen. Auch die Türen der Athener Börse haben sich seit einer Handelswoche nicht mehr geöffnet.

Über vier Millionen Scheine des ETFs wechselten diese Woche im Durchschnitt täglich den Besitzer. Ins Auge fallen vor allem die 6,3 Millionen gehandelten Papiere am Montag, wo doch der Schnitt im vergangenen Monat bei 1,2 Millionen gelegen hatte. Ein Tagesdurchschnitt von 28.400 Optionen auf den Fonds, die in dieser Woche gehandelt wurden, sind ebenfalls Rekord. Amerikaner stellen die größte Gruppe ausländischen Investoren auf dem griechischen Aktienmarkt dar, dessen gesamte Marktkapitalisierung etwa auf dem Niveau der Deutschen Bank liegt.

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