Übernahmetrend
Fonds-Anlegern droht Stresstest

Die Finanzkrise verstärkt den Übernahmetrend in der Fondsbranche. Experten sehen gerade große Übernahmen gleich starker Partner kritisch: Die Folge seien Machtspiele, häufige Managerwechsel sowie die Bereinigung von Produktpaletten. Warum sich die vielen Übernahmen in der Branche auch negativ auf die Anleger auswirken könnten.

FRANKFURT. "Gerade bei Firmen mit großen Überschneidungen in den Produktangeboten kommt es häufig zu Anpassungen, und damit zu vielen Managerwechseln", sagt Christian Michel, Leiter Research bei Feri Eurorating. Für die Wertentwicklung der Fonds sei dies keine gute Vorgabe.

Michel steht mit seiner Einschätzung nicht alleine da. "Gerade große Übernahmen bei gleich starken Partnern sind kritisch. Dann gibt es Machtspiele, Produktpaletten werden bereinigt - und oft gehen gerade die guten Manager", sagt Matthias Weber, Partner bei Ifundservices in Zürich. Nick Ring, Leiter Produkte bei der britischen Anlagegesellschaft Threadneedle sagt: "In diesen Fällen wird Unsicherheit geschaffen, denn Ratingagenturen und Berater institutioneller Investoren kommunizieren das an Anleger - das kann zu Mittelabzügen führen." Der Umbau der Anlagebranche strahlt auf die aktuelle Hitliste der Fondshäuser von Feri aus. Diese Liste veröffentlicht das Handelsblatt quartalsweise. Unter 32 Gesellschaften mit breitem Produktangebot in Deutschland sind einige der besten - gemessen an ihren Produktratings - derzeit mit Aufkäufen beschäftigt (siehe "Beste große Häuser"). Mitten im Integrationsprozess ist die große Allianz Global Investors mit der Cominvest. Rein rechnerisch hat sich die Produktzahl damit zunächst mehr als verdoppelt. Hier sind die Ratings der erworbenen Produkte im Schnitt schlechter als die der aufkaufenden Gesellschaft. Daher fällt die Allianz im Ranking von Platz sieben auf Rang zwölf zurück.

Auch hier wird die Produktpalette überarbeitet, weil es viele Überschneidungen gibt. Die Allianz will rund 100 der insgesamt 500 Produkte schließen oder verschmelzen. "Es könnten sogar bis zu zwei Drittel der Cominvest-Produkte verschwinden", sagt ein Analyst. Eine ganze Reihe von Cominvest-Managern ist bereits ausgeschieden. Bei Anleihen hat die zur Allianz gehörende US-Firma Pimco das Sagen, bei Aktien haben dagegen die Allianz-Verwalter im Schnitt die besseren Leistungsbilanzen. Das Allianz-Fondshaus will den laufenden Integrationsprozess nicht kommentieren.

"Mit noch stärkeren Verwerfungen haben Fortis und BNP Paribas zu kämpfen", sagt Rüdiger Sälzle, Vorstand der Beratungsfirma Fonds Consult. BNP Paribas hat unter anderem die Anlagesparte von Fortis erworben. Die Produktratings bei beiden Unternehmen sind allerdings weit unterdurchschnittlich, so dass sie im Ranking auf den hinteren Plätzen landen.

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