Überwachung
ETFs droht strengere Regulierung durch EU

Geschäfte mit börsennotierten Indexfonds (ETFs) könnten in der EU demnächst strenger überwacht werden. Eine hochrangige EU-Abgeordnete will ETFs künftig unter die EU-Richtlinie für den europäischen Finanzmarkt (Mifid) stellen.
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Frankfurt„Ich denke, wenn wir die Überarbeitung von Mifid in Angriff nehmen, also Mifid 2, werden all diese Dinge auch abgedeckt sein“, sagte Sharon Bowles, Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Europäischen Parlament, in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit Reuters Insider TV.

Seit Inkrafttreten der Markets in Financial Instruments Directive (Mifid) habe es unter den Finanzprodukten zahlreiche Innovationen gegeben, sagte Bowles. Daher müsse die überarbeitete Mifid-Richtlinie moderner und umfassender sein als die aktuelle.

Die Mifid-Richtlinie regelt und harmonisiert die Bedingungen für den Wertpapierhandel in der Europäischen Union. In Deutschland wurden die meisten Vorgaben Ende 2007 umgesetzt. Die Regeln zielen in erster Linie auf Aktien ab, betreffen aber auch Geldmarktinstrumente und Terminkontrakte. Sie erstrecken sich bislang nicht auf börsennotierte Indexfonds. Nach Ansicht von Experten ist das der Grund dafür, dass ein Händler der Schweizer Bank UBS einen Milliardenverlust durch Termingeschäfte mit ETFs bescheren konnte.

Würde Mifid zwei auch für ETFs gelten, wovon Bowles ausgeht, kämen neue Berichts- und Nachweispflichten auf die Branche zu: Beispielsweise müssten Börsen einheitliche Reports zur Quotierungs- und Ausführungsqualität bereitstellen, und die Geschäfte müssten standardisiert an die jeweils zuständigen Aufsichtsbehörden gemeldet werden. Außerbörsliche ETF-Käufe und -Verkäufe müssten während der üblichen Handelszeiten gegenüber anderen Marktteilnehmern öffentlich bekanntgemacht werden.

Innerhalb von maximal drei Minuten nach der Transaktion müssen qualitätsgesicherte Handelsdaten vorliegen. Zudem wären Wertpapierunternehmen verpflichtet, Handelsplätze und Orderausführungen zu den für den Investor günstigsten Bedingungen auszuführen - beispielsweise hinsichtlich des Preises und der Schnelligkeit.

Die Europäische Kommission und das Parlament arbeiten schon seit einiger Zeit an einer neuen Version der Richtlinie. Noch steht nicht fest, ob ETFs einbezogen werden. Experten gehen davon aus, dass Mifid zwei erst 2013 in Kraft treten wird.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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