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Philipp Vorndran: „Wir kaufen starke Unternehmen“

Wie werden sich die Märkte in den kommenden Monaten entwickeln, welche Anlageform wird am besten abschneiden? Das Handelsblatt sprach mit Philipp Vorndran, Vorstand bei Flossbach & von Storch.

Herr Vorndran, ist ein Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise absehbar?

Die Kreditvolumina sind in der westlichen Welt vie stärker gewachsen als die Realwirtschaft. Das hat sich in den letzten Jahren noch verschärft. Konsumenten hatten das Gefühl, ein Kredit kostet nichts. Das waren auch die Botschaften in der Werbung. Jetzt sind wir in der Rückschrumpfung. Die Kreditberge haben vor allem die Amerikaner, Briten und Spanier ausgehäuft. Ich erwarte in der dritten du vierten Quartal eine Trendwende, aber von da an nur ein zögerliches Wachstum. Das hilft uns Deutschen als Exportweltmeister aber nicht. Produktionskapazitäten müssen zurückgeführt werden. Deshalb dürften die Schwellenländer noch stärker getroffen sein als die Industrieländer.

Sind Aktien nach dem Desaster wieder attraktiv?

In der großen Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre gab es die schlechteste Stimmung bei den Konsumenten und das größte Blutbad an den Börsen nach dem großen Knall. Die Menschen hofften immer wieder auf den Aufschwung. Doch der Aufschwung kam nicht – und die Ersparnisse waren verbraucht. Diese Entwicklung dauerte drei bis fünf Jahre. Im laufenden Jahr erwarte ich hohe Schwankungen den Kapitalmärkten. Die Kurse dürften am Jahresende höher sein als zum Start, aber unter den heutigen Ständen. Wir kaufen starke Unternehmen wie Coca-Cola, die Kriege und Währungsschnitte überstanden haben. Auf so eine Positivliste setzen wir auch Namen wie Eon oder Texaco. Bei Banken bleiben wir extrem skeptisch. Ausfälle bei Unternehmen werden Löcher in die Bankbilanzen schlagen. Hier schlummern Risiken in den gewerblichen Immobilien.

Wie schätzen Sie die Lage an den Anleihemärkten ein?

In den USA werden die Weichen neu gestellt. Die US-Notenbank hat angekündigt, dass sie jetzt auch den hinteren Teil der Renditekurve kontrollieren will. Bei den kurzfristigen Zinsen sind wir schon bei Null, bei den langfristigen gibt es jetzt eine Quasi-Garantie für einen Deckel. Ich deute das so: Die langfristigen Zinsen sollen keine Inflationserwartungen widerspiegeln. Wir werden also schnell keine hohen Zinsen mehr sehen. Deshalb dürften Investoren bald wieder Unternehmensanleihen, Pfandbriefe und so weiter kaufen. Auch wir kaufen wieder gute Firmentitel. Ein Beispiel ist eine AAA-Anleihe von Toyota, deren Rendite drei Prozentpunkte über der Staatsanleihe liegt. Es dürften meiner Meinung nach aber nur bis zu einem halben Prozentpunkt mehr sein. Auch Wandelanleihen bieten jetzt echte Chancen.

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