Umwandlung
Heute Aktie – morgen Fonds

Fresenius, Qiagen, Rhön-Klinikum - die Beteiligungen der BB Medtech sind vielfältig und so umfangreich, dass der Wert der eigenen Aktie nicht mithalten kann. Deshalb sollen nun erstmals in Deutschland Aktien in Fondsanteile umgewandelt werden. Für die Anteilseigner bringt das nur langfristig Vorteile.

FRANKFURT. Eine bislang in dieser Form einzigartige Umwandlung von Aktien in Fondsanteile kommt auf die Aktionäre von BB Medtech zu. Sie sollen ihre Anteile umtauschen und künftig Fondsanleger sein, schlägt ihnen das Schweizer Beteiligungsunternehmen Bellevue Asset Management vor, zu dem BB Medtech gehört. Grund für die Umwandlung ist, dass seit Jahren zwischen dem Wert der eigenen Aktie und dem solch illustrer Beteiligungen wie Fresenius, Qiagen und Rhön-Klinikum eine erhebliche Lücke klafft, die das Unternehmen trotz intensiver Bemühungen nicht verkleinern konnte. Fondsanalysten sehen die Maßnahme als Chance, endlich die ersehnte Annäherung zu schaffen.

Aktuell liegt der an den Börsen ermittelte Wert der BB-Medtech-Aktie rund 15 Prozent unter dem eigentlichen Wert des Unternehmens-Portfolios. Deswegen läuft noch bis zum 21. August die Angebotsfrist für Privatanleger. Danach wird die BB-Medtech-Aktie nicht mehr an der Börse gehandelt. Bis zum September 2008 notierte das Unternehmen noch im Technologieindex TecDax. Seitdem steht die Aktie im Prime Standard der Deutschen Börse.

"Unsere Aktionäre haben diesem Schritt auf der letzten Hauptversammlung vorgeschlagen", sagt André Rüegg, Geschäftsführer von Bellevue Asset Management. Ihnen ist der hohe Kursabschlag ein Dorn im Auge. Denn schon seit ihren ersten Handelstagen vor mehr als zehn Jahren notiert die BB Medtech Aktie mit einem erheblichen Abschlag auf den inneren Wert ihrer Beteiligungen. Aber alle Maßnahmen zur Kursstützung verliefen bisher im Sande. "Auch unser Aktienrückkauf-Programm und die Dividendenprogramme brachten nichts", sagt Rüegg. Getauscht werden soll jetzt nach dem Prinzip, dass der Wert der Fondsanteile dem der Aktien vor dem Umtausch abzüglich einer Gebühr von 3,9 Prozent entsprechen soll.

"Der Preisabschlag der Aktie wird auch durch die Umwandlung in einen Fonds nicht aufgeholt", kritisiert Andreas Köchling von Feri Euro-Rating Services. Sein Kollege Werner Hedrich von der Ratingagentur Morningstar hält sich mit Anweisungen zwar zurück, glaubt aber schon daran, dass der BB-Medtech-Fonds künftig mehr wert sein wird als die Aktien. "Fondsanteile können nicht mit einem Abschlag gehandelt werden", sagt Hedrich. "Die Depotbank rechnet den Wert der Aktien im Portfolio zusammen und bestimmt daraus den Fondspreis."

Der Fonds selbst wird künftig maximal 1,7 Prozent jährliche Gebühr kosten. "Die Gebührenbelastung von BB Medtech als Aktiengesellschaft lag in der Vergangenheit bei bis zu 2,7 Prozent", sagt Rüegg. Langfristig orientierte Fondsanleger werden damit künftig Gebühren sparen.

Für kurzfristige Spekulanten sind weitere Kosten eingebaut. Eine gestaffelte Rücknahmegebühr von bis zu vier Prozent soll Zocker von einem kurzfristigen Einstieg kurz vor Umwandlung abhalten. Nach zwölf Monaten Haltedauer entfällt die Extragebühr. "Als Fonds ordnen wir BB Medtech künftig in der Kategorie Aktien-Healthcare ein", sagt Hedrich von Morningstar.

Vielmehr als dem Umtausch zuzustimmen wird den vornehmlich Schweizer und deutschen Aktionären kaum übrig bleiben. Denn den Großaktionären von BB Medtech, die diesen Schritt befürworten, gehört die Hälfte aller Anteile. Sie geben damit die Richtung vor. Und zum Aktionärstreffen am Dienstag in Frankfurt erschien nicht mehr als ein Dutzend Kleinanleger.

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