Unrechtmäßige Gebühren: Wie Fondsgesellschaften ihre Kunden abkassieren

Unrechtmäßige Gebühren
Wie Fondsgesellschaften ihre Kunden abkassieren

Millionen Deutsche setzen auf Investmentfonds. Doch viele Produkte enttäuschen die Anleger. Kein Wunder: Häufig sind die Gebühren so hoch, dass hohe Renditen fast unmöglich sind. Verbraucherschützer klagen jetzt dagegen.
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DÜSSELDORF Die führenden Fondsgesellschaften in Deutschland hatten bisher ein gutes Leben. Weitgehend unbehelligt und freihändig konnten sie die Kosten für ihre Produkte festlegen. Doch damit könnte bald Schluss sein, denn Verbraucherschützer gehen jetzt erstmals gegen die Gebührenpraxis vor.

In einer umfangreichen Untersuchung hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) die Gebühren der 50 volumenstärksten Fonds für Privatkunden überprüft. Das Ergebnis, das dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, ist für viele Anleger ein Schlag ins Gesicht. Mit knapp 60 verschiedenen Gebührenarten kassieren die Gesellschaften ihre arglosen Kunden ab. Vor allem direkt nach dem Kauf eines Fonds langen sie zu: Im ersten Jahr sind wegen des Ausgabeaufschlags selbst zweistellige Kostenquoten möglich. In den Folgejahren sind mehr als zwei Prozent üblich.

Einige Gebühren werden nach Ansicht der Verbraucherzentrale sogar zu Unrecht erhoben. Deshalb hat sie die drei großen Anbieter Allianz Global Investors, LBBW Asset Management und Union Investment stellvertretend für die Branche abgemahnt. Alle genannten Unternehmen bestätigen gegenüber dem Handelsblatt die Abmahnung, möchten aber vor einem persönlichen Gespräch mit den Verbraucherschützern in der Öffentlichkeit keine Stellung beziehen.

Transparent informieren Fondsgesellschaften einzig beim Thema Aufgabeaufschlag. Diese Gebühr ist beim Kauf von Fondsanteilen zu zahlen. Angegeben wird hier immer die maximale Kaufgebühr, die etwa beim Kauf am Bankschalter fällig wird und in Einzelfällen bis zu sieben Prozent betragen kann. Wer auf Beratung verzichtet und bei Online-Brokern oder via Fondsbörsen kauft, zahlt in der Regel erheblich weniger.

Hart kritisieren die Verbraucherschützer die neuerdings häufig verlangte Performance Fee. Die Gebühr wird vor allem bei Fonds erhoben, die überdurchschnittliche Renditen erzielen. Das Fondsmanagement soll so zusätzlich von guten Leistungen profitieren. Das Problem: "Viele Gesellschaften haben die Gebühr vor zwei Jahren eingeführt, pünktlich zu dem Zeitpunkt, an dem die Kurse im Keller waren", sagt Ralf Scherfling, Finanzexperte von der Verbraucherzentrale NRW und Leiter des Internetportals Verbraucherfinanzwissen.de. Wer beim Ausbruch der Finanzkrise Anteile an Aktienfonds hielt, fuhr oft hohe Verluste ein, die er allein tragen musste. Vom Gewinn in der anschließenden Erholungsphase profitiert dagegen auch der Fondsemittent.

"Seit der Finanzkrise sind die Gebühren für Fonds deutlich gestiegen", sagt Maximilian Kreitlmeier, Analyst bei der Ratingagentur Mornigstar. Das gelte sowohl für fixe wie für variable Bestandteile. Die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio/TER) liege bei deutschen Aktienfonds aktuell im Mittel bei 1,55 Prozent. 2007 waren es noch 1,35 Prozent.

Der Gebührenanstieg ist ein deutsches Phänomen. Bei weltweiten Standardwerten lag der Anstieg nur bei 0,04 Prozentpunkten. Der Grund: Bei den deutschen Werten ist der Anteil an deutschen Fondshäusern besonders hoch. Hierzulande führten viele Gesellschaften auf der Suche nach neuen Geldquellen Performance Fees ein", sagt Kreitlmeier. Die Anleger machen es ihnen dabei nicht gerade schwer: "Deutsche Anleger sind bislang nicht sehr kostenbewusst, das Thema spielt in der öffentlichen Wahrnehmung eher eine geringe Rolle", hat der Morningstar-Analyst beobachtet.

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  • Das ist alles nichts neues! Nur für die Kunden, die es lieber bequem haben wollen und sich selbe kein eigene Meinung drüber machen wollen ist diese Nachricht schockierend. Das kleingedrückte lesen ist doch nicht nötig - oder? Deswegen haben Berater, die auf Honorarbasis arbeiten möchten es so schwer haben - die Kunden möchten doch übers Ohr gehauen worden!

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