Unruhen in Südafrika
Starke Nachfrage nach Platin-ETFs

Wegen dem eskalierten Streik der Minenarbeiter des Platin-Konzerns Lonmin rechnen Anleger mit Lieferengpässen. Der Preis für das Edelmetall stieg um 13 Prozent. ETF-Anbieter rechnen damit, dass dieser Trend anhält.
  • 0

FrankfurtBörsennotierte Indexfonds (ETFs) auf Platin haben nach den Unruhen in einem südafrikanischen Bergwerk mit Dutzenden Toten deutliche Zuflüsse verzeichnet. Anleger spekulierten auf Lieferengpässe in dem Land am Kap der Guten Hoffnung, aus dem weltweit vier von fünf Platin-Feinunzen stammen. Im August dürften die monatlichen Zuflüsse deshalb so stark gewesen sein wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr, wie aus Reuters-Daten hervorgeht.

Die Produktion in der Marikana-Mine, die vom drittgrößten Platin-Konzern Lonmin betrieben wird, blieb auch zwei Wochen nach den Zusammenstößen geschlossen, bei denen 44 Menschen getötet wurden. 34 streikende Bergleute wurden von der Polizei erschossen.

Marikana hatte vor Beginn der Unruhen 2500 Platinunzen pro Tag produziert. Der Preis für das Edelmetall, das in Autokatalysatoren und zur Schmuckherstellung verwendet wird, ist in den sieben Tagen nach dem Gewaltausbruch um fast 13 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monatshoch von 1558 Dollar pro Feinunze gestiegen.

In die vier ETF-Gruppen, die von Reuters beobachtet werden, flossen in diesem Monat 88.821 Feinunzen Platin, was nach dem aktuellen Marktpreis 133,2 Millionen Dollar entspricht. Die stärksten Zuflüsse verzeichnete der Anbieter ETF Securities.

Nick Brooks, Chefanalyst bei ETF Securities, rechnet auch mittel- und langfristig mit steigenden Platinpreisen. „Auf kurze Sicht ist die Sache schwieriger, weil die Nachfrage schwach ist. Es hängt von der Entwicklung in Südafrika ab." Wenn es weiter Lieferprobleme gebe, dürften die ETF-Anleger aber wohl weitere Positionen aufbauen. LBBW-Rohstoffanalyst Thorsten Proettel rechnet damit, dass der derzeit noch bestehende Überschuss am Platinmarkt zumindest vorerst Geschichte ist, wenn der Streik in Marikana noch länger anhält.

Seit der Finanzkrise sind Edelmetall-ETFs immer beliebter geworden. Diese halten je nach Produkt Gold-, Silber-, Platin- oder Palladiumbarren in den Portfolios, die in großen Tresoren lagern. Citigroup-Analyst David Wilson sieht darin zugleich einen weiteren möglichen Preistreiber: „Wenn das (der Produktionsstopp in Marikana) noch eineinhalb Monate weitergeht, haben Sie eine deutliche Verknappung am Markt, vor allem, wenn die Nachfrage über ETFs ebenfalls anhält."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Unruhen in Südafrika: Starke Nachfrage nach Platin-ETFs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%