Unternehmen empört
Exodus wegen EdW-Gesetz

Wertpapierhandelshäuser und Vermögensverwalter wehren sich gegen die neuen Regeln des Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes (EAEG), die am Mittwoch in Kraft getreten sind.

sos/rez/yo FRANKFURT. Die Unternehmen wollen auswandern, sich unter das Dach ihrer Bankmütter flüchten oder gegen die vorgesehenen höheren Jahresbeiträge für die gesetzliche Einlagensicherung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) klagen.

Hintergrund ist das Debakel um die Anlegerentschädigung im Betrugsfall Phoenix. Der Optionshändler hatte über Jahre ein Schneeballsystem betrieben und einen Schaden von mehr als 500 Mio. Euro verursacht. Rund 30 000 Anleger hatten sich von zweistelligen Renditeversprechen locken lassen, 24 000 warten seit der Phoenix-Pleite 2005 immer noch auf ihr Geld. Mit rund 200 Mio. Euro sollte die EdW die Geprellten entschädigen. Doch sie hatte zu wenig in der Kasse, die Mitgliedsunternehmen sollten nachschießen. Die weigerten sich und klagten oder verlegten ihren Firmensitz ins Ausland.

Jetzt sollen die neuen Regeln helfen. Doch die Firmen wollen nicht nachgeben. „Bei unseren Mitgliedern gibt es nach der Gesetzesnovelle neue, deutliche Abwanderungsgbewegungen“, sagt Nero Knapp, Sprecher des Verbundes der unabhängigen Vermögensverwalter (VuV). Eine ganze Reihe der rund 180 VuV-Mitgliedern plane, ihren Firmensitz in die Schweiz zu verlegen und in Deutschland nur noch Geschäfte abzuwickeln, für die sie keine Genehmigung bräuchten. „Das trifft vor allem für die 40 größten Mitglieder zu“, sagt Knapp.

Auch Fondsgesellschaften suchen nach Schlupflöchern. So arbeiten die Volks- und Raiffeisenbanken daran, ihre Fondsgesellschaft Union Investment in ihre Sicherungseinrichtung aufzunehmen. Eine entsprechende Satzungsänderung will der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken im September verabschieden.

„Wir prüfen, inwieweit Fondsanbieter, die zu Finanzkonzernen gehören, um die EdW herumkommen könnten“ sagt auch Sven Zeller, Partner der Anwaltskanzlei Clifford Chance. Er befürchtet zudem, dass ausländische Vermögensverwalter abwandern. Viele hätten ohnehin wegen „unkalkulierbarer Kosten im Rahmen der EdW-Mitgliedschaft“ darauf verzichtet, sich in Deutschland niederzulassen und seien lieber nach Österreich, Luxemburg oder in die Schweiz gegangen, sagt er. Die EdW ficht dies nicht an: Zwar hätten sich in den vergangenen Jahren einige große Unternehmen aus der EdW verabschiedet, doch unterm Strich seien seit Phoenix sogar 80 neue Mitglieder hinzu gekommen. Es handle sich um die normale Fluktuation hieß es aus Kreisen der Behörde.

Seite 1:

Exodus wegen EdW-Gesetz

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%