Unterschiedliche Strategien bewirken oft stabile Gesamterträge
Erfolgsrezept: Einzelfonds gut auswählen

Als gefeierte Finanzinnovation 2004 mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, sind Hedge-Fonds in den letzten Monaten heftig in die Kritik geraten. Sowohl der Absatz- als auch der Anlageerfolg der ersten in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Produkte enttäuschten die hohen Erwartungen. Dabei wurde in punkto Performance oft von einzelnen, auf eine bestimmte Anlagestrategie festgelegten Einzelfonds (Single-Fonds) auf die ganze Branche geschlossen.

HB DÜSSELDORF. In der Tat verzeichneten Hedge-Fonds 2004 ein vergleichsweise schwaches Jahr - allerdings bei einem respektablen Wertzuwachs von 8,9 Prozent, gemessen am HFRI Fund Weighted Composite Index. Unter Berücksichtigung der Ertrags-/Risikorelation haben sich dabei Funds-of-Hedge-Fonds, also Dachfonds-Konzepte, besonders ausgezeichnet: Mit der Kombination der richtigen Singles waren Überrenditen bei deutlich geringeren Risiken als mit anderen Anlageformen zu erzielen.

Ein Jahr nach Inkrafttreten des Investment-Modernisierungsgesetzes ist die Nachfrage nach dem neuen, alternativen Investmentinstrument Hedge-Fonds in Deutschland noch sehr verhalten. Dies ist um so unverständlicher, als auf der anderen Seite "Absolute Return" aktuell eines der beliebtesten Schlagworte im Fondsgeschäft ist. Das Bedürfnis der Anleger nach einer absolut positiven Wertentwicklung auch in stark wechselhaften Börsenphasen erklärt den Boom von Absolute- bzw. Total-Return-Fonds. Dabei sind Hedge-Fonds das klassische Absolut-Return-Instrument: Sie können auch in seitwärts laufenden oder fallenden Märkten positive Renditen erzielen. Zum einen zeigt sich dies in einer langfristig überzeugenden durchschnittlichen Wertentwicklung von teilweise über 14 Prozent pro Jahr. Zum anderen wird dies anhand der im Vergleich zu Aktienanlagen wesentlich geringeren Volatilität (Schwankungsbreite) der Erträge deutlich; diese liegt bei sieben Prozent gegenüber 14 bis 16 Prozent pro Jahr bei Aktien.

Die Sharpe-Ratio als Maß für die Ertrags-Risiko-Relation eines Investments unterstreicht ebenfalls die Attraktivität der Hedge-Fonds: Gemessen am HFRI Fund Weighted Compositive Index erreicht sie für Hedge-Fonds einen Wert von 1,4, während sie für US- und EU-Aktienmärkte nur 0,2 bis 0,4 beträgt. Das heißt: Hedge-Fonds waren bislang in der Lage, Überrenditen bei deutlich geringerem Risiko zu erzielen als andere Anlageinstrumente. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es (Single-)Hedge-Fonds für eine breite Palette von Strategien - u.a. Arbitrage, Credit-Driven, Event-Driven, Equity-Hedge, Macro, Market-Timing, Short-Selling - und nahezu alle Anlagebereiche. Das Hedge-Fonds-Universum umfasst weltweit mittlerweile über 6 000 Fonds.

Die Kunst der richtigen Auswahl

Den Reiz vieler Singles macht die Chance aus, mit ihrer Anlagestrategie dem Markt voraus zu sein und so schnell hohe Wertsteigerungen generieren zu können; doch damit können sie auch schief liegen. Mit der richtigen Kombination der verschiedenen Single-Investmentstrategien lässt sich einerseits dieses Risiko deutlich vermindern und andererseits trotzdem noch eine sehr attraktive Performance erzielen. Darauf setzen die Fund-of-Hedge-Fonds- oder Dachfonds-Konzepte. Sie kombinieren mehrere Single-Hedge-Fonds, um das Verlustrisiko, das für einen einzelnen Fonds bei einer abrupten Trendwende (Trendbruch) entstehen kann, durch die unterschiedlichen Strategien anderer Hedge-Fonds auszugleichen.

Durch die Vielzahl von Investmentstrategien, die individuellen Fähigkeiten der Hedge-Fonds-Manager und die Nutzung aller Assetklassen von Rohstoffen bis hin zu Derivaten stehen Dachfonds-Managern dabei mehr Instrumente zur Verfügung als herkömmlichen Fonds. So weisen sie in der Performance eine geringe Abhängigkeit (Korrelation) von anderen Assetklassen auf und können sich von Baissebewegungen in bestimmten Sektoren abkoppeln. Die Kunst besteht darin, die richtigen Investmentstile und Singles auszuwählen. Banken setzen dabei unter anderem auf einen disziplinierten Investmentprozess und auf die Persönlichkeit des Hedge-Fonds-Managers. Unter den Regionen steht besonders Asien im Fokus. Angesichts der dort vorhandenen Marktineffizienzen und darauf beruhender Potenziale für Hedge-Fonds favorisieren die Experten die asiatischen Märkte und haben dafür ein Asia-Fund-of-Hedge-Fonds-Konzept entwickelt.

Anders als in Deutschland haben Anleger weltweit längst die Vorteile der Hedge-Fonds und speziell der Dach-Konzepte erkannt. Eine nachhaltige, absolut positive Wertentwicklung in der Größenordnung von acht bis zehn Prozent, vor allem aber die niedrige Volatilität und die Möglichkeit, sich von kurzfristigen Schwankungen an den Aktienmärkten abzukoppeln, sollten auch die Investoren hier zu Lande überzeugen.

Harald Glocker ist Geschäftsführer bei ABN AMRO Asset Management (Deutschland).

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